Als dieser Mann dem Unglücklichen das rechte, verwundete Bein verbunden hatte, hüllte er ihn in seinen Mantel, faßte ihn auf den Rücken und trug ihn durch den Wald.
„Ihr seid gar der Arzt von Dernau?“ fragte Martin unterwegs einmal.
„Ja, Martin.“
„Dann kenn’ ich Euch. Aber das werdet Ihr Euch von dem Martin nicht gedacht haben, das! Doch bei Gottes Kreuz und Leiden, ich hab’s nicht gewußt und nicht gewollt – –“
Er sprach nicht weiter; so heftig war der Schmerz, den er litt, daß er kaum die Kraft hatte, sich an dem Nacken seines Trägers festzuhalten.
Bergauf und thalab ging’s, über Hügel und durch Schluchten; kaum daß der Arzt in Nacht und Schnee den unsichern Fußsteig traf. Auf den Anhöhen hatte der Sturm Bäume geknickt, und man konnte es von nah’ und ferne noch hören, wie sie zusammenbrachen. In den Schluchten lag tiefer Schnee und die Aeste der Bäume drückte er nieder, daß sie den Wandelnden mit seiner Last oft und oft den Weg versperrten. Der Wolfswald ist eine unwirthliche Gegend, die Leute gehen nicht gerne durch denselben in solchen Stunden. Nur der Arzt von Dernau, der fast täglich in’s Hochdorfer Armenhaus jenseits des Waldes muß, hat den nächtlichen Ritt schon unzählige Male gemacht; freilich das, wie heute, ist ihm früher noch nie begegnet.
Der Arzt stand oft still und stellte seine Last auf einen Baumstock, dann trocknete er sich die Stirne. Es war ihm heiß trotz des eisigen Schneewehens.
„Ihr richtet Euch zugrunde!“ sagte Martin einmal leise, „lehnt mich da unter die Tanne und wenn Ihr nach Hochdorf kommt, so schickt mir ein paar Männer herüber, ich werde derweilen nicht erfrieren.“
„Martin, da würdest Du sehr krank werden!“ entgegnete der Arzt und schleppte seine Last weiter und weiter. Er zwang und kämpfte sich über Gestock, Gefälle und zusammengewehten Schnee und erreichte endlich die Lichtung, wo die Felder beginnen.