Jetzt kamen auch andere Leute herbei, Männer, Frauen, theilweise in Binden und an Krücken. Alle schrieen: „Nu schaut’s, da ist er ja; Gott sei Lob und Preis, weil er nur da ist!“ –
Und als der Mann im Zimmer war, ließ er seine Last auf ein Ledersofa gleiten und sagte: „So, Martin, jetzt sind wir daheim. Schau, für dieses Haus hast Du mir oft die Wurzeln und Kräuter gesammelt. Wie ist Dir, hast Du großen Schmerz?“
Martin zitterte und der Arzt nahm ihm den schneeigen Mantel und die nasse Zwilchjacke ab, dann rief er in ein Nebenzimmer, daß man frische Decken und ein Glas Wasser bringe.
„Aber,“ murmelte Martin, „das war doch ein höllischer Lump! Meinen Rock hat er auch!“ Dann nahm er einen Schluck Wasser.
Später sagte er zum Arzt: „Da habt Ihr mich jetzt so weit hergetragen und seid doch um zwanzig Jahr’ älter als ich.“
Und der Morgen, der durch die Fenster strahlte, zeigte es, der Arzt hatte viele graue Haare auf dem Haupte und im Vollbart; sein Gesicht war etwas durchfurcht und sehr gebräunt, und wenn er sprach oder lächelte, so lag auf demselben ein Zug – eigen und merkwürdig – eine wunderbare Handschrift der Seele. Die Gestalt des Mannes war groß und trug ein bequemes Winterkleid aus grauem Loden. Der Nacken war etwas gebeugt – wohl noch von der Last, die er in’s Asyl getragen! –
Im hohen, geräumigen, etwas alterthümlich eingerichteten Zimmer stand ein brauner Kasten. Diesen öffnete nun der Arzt und zog eine Lade heraus, in welcher viele Instrumente aus Messing und Stahl und verschiedene andere Gegenstände waren. Dann verlangte er von den zu- und abgehenden Personen noch dies und das und nahm hierauf dem Wurzelgraber die Binde ab, schnitt das Beinkleid auf und untersuchte, wie es mit dem Fuße aussah, welche Verheerungen sein Schrotschuß angerichtet hatte.
„Drei Körner stecken d’rin, Martin, aber wir werden sie schon heraus kriegen; ein wenig schmerzen wird’s wohl, aber ’s ist gleich vorüber.“