„Vor einer halben Stunde hat sie die Augen aufgeschlagen und nach Euch gefragt,“ berichtete die Wärterin, „seitdem schläft sie wieder. Aber jetzt sagt uns doch, das Roß hat Euch wohl abgeworfen? Gerade wie der Tag anbricht, kommt es allein in den Hof, es ist halb wild und der Peter mag’s völlig nicht in den Sattel bringen.“
Sofort erzählte der Doctor, wie er gestern im Laufe des Nachmittags dringende Krankenbesuche gehabt habe, wie er erst am Abend nach Dernau kam, dort ein paar Stunden ruhte, und wie er gegen Mitternacht aufbrach, um nach Hochdorf zu reiten, der Kranken wegen, die in der Krisis liegt. – Wie er nun im Schneesturm, fest in den Mantel gehüllt, durch den Wolfswald so dahin traben läßt, dabei schier einschlummert, bleibt das Pferd plötzlich stehen und er wird nach rückwärts zu Boden gerissen. Noch schießt er sein Pistol gegen eine Gestalt ab, aber schon drückt ihn ein Mann fest in den Schnee, entreißt ihm die Börse und die Uhr und flieht mit dem Pferde davon. Erst jetzt gewahrt der Beraubte den Verwundeten, den Martin, der vor einiger Zeit wegen einer sonderbaren Geschichte in den Arrest kam. Wie das zusammenhängt und wie der arme Bursche in die Hände von Spitzbuben gefallen ist, das müsse sich erst aufklären.
So erzählte der Doctor und dann ließ er mehrere Bauern von Hochdorf entbieten, in den Wolfswald zu gehen und die Gegend zu durchsuchen.
Im ersten Stock des alten Hauses war eine große Stube mit vielen Schränken und Betten und zwei grünen Kachelöfen, in welchen es recht lebendig knisterte.
Die Betten waren einfach, aber sehr reinlich und zu dieser Morgenstunde alle bereits geschichtet. Neben den Betten auf Lederstühlen saßen alte, krüppelhafte Männer und Weiber und sie sprachen leise zusammen und Jedes hatte eine kleine Beschäftigung.
Ein einziges Bett an einer Ecke war mit einer weißen Blache verhangen, daneben stand ein Tisch mit Tassen und Fläschchen.
In diese Stube ging nun der Doctor, nachdem er unten eine Fleischbrühe zu sich genommen hatte.
Wie er eintrat, humpelten Alle von ihren Plätzen herbei und gaben ihm die Hand. Er drückte jede und sprach freundliche Worte. Dann ging er zum Bett, das mit einer Blache verhangen war.
Langsam zog er diese seitwärts.