Im Bette lag ein Mädchen. Es lag da wie eine Leiche, eine Hand über der Brust, bleich das junge, liebliche Antlitz, mit geschlossenen Augen und losen, reichen Haaren. Das Mädchen, wie es dalag im Dunkeln, war schön wie eine weiße Blume in der Waldschlucht – wie eine Mondnacht.

Lange hielt der Doctor den Vorhang seitwärts und sah hin, und endlich beugte er sich langsam nieder zur Schlummernden, zu ihrem Mund, um zu fühlen, ob sie athme.

Und sie athmete.

Jetzt faßte er sanft ihre Hand und jetzt bewegte sich diese und das Mädchen schlug halb die Augen auf.

„Nothburga, hast Du jetzt geschlafen?“ sagte der Mann leise.

„Ah,“ hauchte die Kranke überrascht, „jetzt seid Ihr doch wieder da. Nein, ich hab’ nur so geträumt, – es kommt mir immer noch vor, ich seh’ ihn liegen mit der großen Wunde.“

„Ich werde Dir eine Schale Mandelmilch reichen, das beruhigt; schau, Du wirst jetzt bald wieder gesund sein.“

Nothburga richtete sich mit Hilfe des Arztes auf und trank einige Tropfen von der Mandelmilch. Dann blickte sie den Mann treuherzig an und sagte: „Und jetzt hätt’ ich Euch wohl wieder gern gebeten, daß Ihr Zither spielt.“

Der Doctor lächelte. Sogleich lächelte die Kranke auch, denn sein Lächeln war für die Menschen immer das, was ein Sonnenstrahl für die Veilchen ist.