„Ja, wenn ich Dir, liebes Kind, damit eine Freude mach’, so werde ich spielen. Mutter Anna, Ihr holt mir wohl gerne die Zither von meiner Stube, sie hängt neben dem Bücherschrank; der Schlüssel steckt an der Thür.“

Und ein altes Mütterlein, das nur die rechte Hand hatte – die linke nahm ihm vor Jahren der Doctor ab – humpelte jetzt fort und kam bald wieder mit dem Instrument zurück.

Auch alle Anderen waren leise herbeigekommen und stellten sich um das Bett und das Tischchen, an dem nun der Doctor saß und die Saiten stimmte.

Endlich tönten diese zusammen in harmonischem Vielklang, und als ein Liedchen zu Ende war, fragte der Mann etwas schalkhaft: „Gefällt das der Nothburga?“

Die Kranke lächelte und er spielte weiter.

Aber plötzlich brach er das Spiel wieder ab und heiter zu den alten Männern und Frauen gewendet, sagte er: „Was thätet Ihr sagen, wenn die Nothburga Frau Doctorin würde?“

Da lachten sie Alle und meinten: „Der Nothburga wäre das schon zu gönnen.“

„Ei, das wäre wohl kein Glück für die Nothburga. Ich bin ein Vierziger und bin grau und griesgrämig; ich gehöre hin, wo die Krankheit ist, und Nothburga blüht erst auf und gehört zum Leben. ’s wird schon Einer kommen, der das mitbringt, werde nur erst gesund, Nothburga!“

„Ach, so lang’ ich ihn noch liegen seh’ mit der großen Wunde,“ entgegnete das Mädchen leise und langsam, „und so lange sie den Martin nicht wieder zurückgeben und sagen: er ist unschuldig, so lang’ kann ich nicht mehr gesund sein.“