Als es Mittag wurde, stieg er hinab zur Stube Martin’s. Dieser saß bereits auf seinem Lager und blickte wirr und verloren umher.

„Hab’ schier nicht gewußt, wo ich bin,“ sagte er zum Doctor und lächelte ein wenig. „Es ist mir gewesen, als hätt’ ich es schon gefunden; ich hab’ immer zu hoch geschaut, wo die Blumen sind und wo die Menschen lachen und weinen. Aber es liegt tiefer, Herr, es liegt tiefer, es liegt dort, wo die Blumen ihre Wurzeln haben. – Da schaut nur, ich liege unten, aus meiner Brust schlägt ein Keim hervor und dieser wächst herauf. Da wird er grün und weiß und roth und mitten im Kelche liegt ein Samenkorn. Da kommt ein Vöglein und dieses trägt das Samenkorn hinaus zu den Menschen; diese lachen und werfen es unter das Gestein. Aus dem Gestein wächst nach tausend Jahren ein Kraut, und das ist das Kraut für das Menschenglück. – In meinem Leben hab’ ich nicht so wunderlich geträumt! Wenn’s wahr wär’ und wenn’s halt doch wahr wär’, so möcht’ ich Euch wohl bitten, laßt mich hinab legen!“

Der Arzt faßte die linke Hand Martin’s und forschte nach dem Blutlauf, dann ließ er dem Kranken ein kühlendes Getränk bringen.

Später untersuchte er das wunde Bein, es war in Ordnung. Dann als Martin ganz wach und ruhig geworden war, sagte der Doctor: „Nun, Martin, magst Du mir erzählen, wie Dir’s bei Gericht ergangen ist und wie Du in den Wald und vor meinen Schuß kamst?“

Das Leben des Wurzelgrabers bis zu jenem Kirchweihfeste war dem Doctor bekannt; Martin erzählte also sein Schicksal von seiner Gefangennahme durch die Holzknechte bis zur Stunde, wo er veranlaßt durch den Fremden im Walde in der Absicht, den Reiter vor dem Erfrieren zu retten, das Pferd anhielt.

Sein Erzählen war ziemlich zusammenhängend und ruhig, und als er damit zu Ende war, sagte er heiter: „So und nicht anders war’s, und jetzt mein’ ich, ist mein Fuß auch gut.“

Der Doctor war nachdenkend. ’s ist auch nicht begreiflich, warum man Dem Bleikörner in das Bein jagen muß, der Einem das Leben retten will?

„Ich werde jetzt nach Dernau gehen, komme aber morgen wieder, um zu sehen, wie es Dir geht,“ sagte der Arzt, „sei schön ruhig und thue so, wie es die Pflegerin verlangt, dann wirst Du bald gesund sein, und wenn Du gesund bist, so werden wir zusammen vielleicht einmal was Fröhliches erleben.“

„Ich hätt’ Euch wohl noch um was bitten mögen, Doctor!“