„So sag’s nur gleich, Martin, sei zu mir ganz offen.“
„– Da hab’ ich auf der Kirchweih mit einem Mädl getanzt – Nothburga heißt es, und ich kenn’ es schon länger, es war die Schwester von Dem, den sie auf der Kirchweih erschlagen haben. Nothburga wird gewiß glauben, ich bin noch im Gefängniß und ich bin wirklich so schlecht, weil sie mich in’s Gefängniß geworfen haben. Wir haben sonst gar nichts miteinander, ich und die Nothburga, aber ich mag nicht, daß sie so schlecht von mir denkt, und da hab’ ich Euch halt bitten wollen, daß Ihr ein paar Zeilen für mich an die Nothburga schreibt; sie wohnt oben im Freiwaldgraben beim Wegmacher Hans, der ihr Vater ist.“
Der Doctor versprach, das zu besorgen, und verließ dann den Kranken.
Noch ging er in den Saal hinauf, wo viele Betten standen, und zu Nothburga. Sie lag ruhig auf ihrem Polster und hatte ein Gebetbuch in der Hand.
„Ich werde jetzt fortgehen und erst morgen am späten Mittag wiederkommen; sei immer hübsch ruhig, Nothburga, und thue, wie es die Pflegerin verlangt.“ Das sagte der Doctor noch zum Mädchen, faßte milde dessen linke Hand und hielt sie lange in der seinen, um den Blutlauf zu beobachten.
Dann gab er der Pflegerin, der Schließerin und Anderen Befehle über das ganze Hauswesen, besonders nachdrückliche über den Wurzelgraber und die Nothburga.
„Sollen diese hier genesen,“ sagte er, „so darf Eines von dem Andern vorläufig nichts wissen!“
So bestieg der Doctor seinen Braunen und ritt durch das Dorf. Das Schneien hatte aufgehört, Nebel lag über der ganzen, winterlichen Landschaft.
Der Doctor ritt nicht mehr durch den Wolfswald – dort waren ja alle Pfade verschneit und verweht – sondern er machte einen Umweg die Fahrstraße entlang. Diese war einsam und öde; nur dann und wann begegnete ihm ein Holzkarren, sonst wollte heute Niemand fahren.
Der Doctor ließ das Pferd langsam hintraben, hüllte sich dicht in seinen weiten Mantel und hing seinen Gedanken nach.