Da war ein Arbeitssaal und ein Schlafsaal und ein Speisesaal und eine Erheiterungsstube, und es waren noch andere Räume, wie sie für ein solches Haus nothwendig sind. Außerdem hatte sich der Doctor in der neuen Anstalt ein Studirzimmer und eine Apotheke eingerichtet.
So kam er nun oft des Wegs von Dernau her und wenn ein Krankes im Hause war, so kam er fast täglich.
Und nun, da der Doctor zwei Häuser hatte, mußte er auch zwei Zithern haben; denn die Bewohner seines Schlosses schenkten ihm’s nicht. Da kamen sie stets Alle um ihn herum und bestürmten ihn, daß er spiele; die Greise und die Mütterlein baten wie die Kinder, bis die Saiten klangen. Selbst der taube Josef, der nicht einen Ton hören konnte, erbaute sich und war heiter, wenn er dem Spielenden und den Hörenden zusah. „’s ist, wie wenn Ihr in der Kirche säßet,“ sagte er einmal, „so fromm schaut Ihr Alle drein. Kann er denn keine Tanzmusik?“ –
In heiteren Sommertagen, wenn es die Kranken zuließen, ging der Doctor gern in’s Gebirg.
Auf einer solchen Wanderung begegnete er einmal einem Knaben, der Kräuter sammelte und sie in große Bündel zusammenschichtete.
„Was machst denn Du mit diesen Blumen und Wurzeln?“ fragte er den Knaben.
„Die trag’ ich in die Stadt und verkaufe sie.“
„Willst Du sie nicht mir verkaufen? Ich bin der Arzt von Dernau.“
„Wohl, wenn Ihr der Arzt von Dernau seid, kann ich Euch die Kräuter schon verkaufen, aber Ihr müßt mir gleich das Geld geben.“