„Und dürft’ ich auch mitgehen?“
„Ei freilich, bis er gesund wieder mit Dir in die Berge gehen könnte.“
„Herr Arzt!“ rief der Knabe treuherzig, „wenn Ihr uns das thätet, all mein Leben brächt’ ich Euch die Wurzeln und Kräuter und ich thät keinen Kreuzer von Euch nehmen – he, steigt da nicht auf das Frauenhaar, sonst bekommt Ihr Kopfweh!“
Der Knabe zog den Doctor, der eben im Begriffe war, auf Laubfarn zu treten, bei dem Aermel seitwärts.
Endlich kamen sie zur Hütte. Als aber der Doctor den Mann sah, wie er dalag auf dem kahlen Stroh in Armuth und Schmerzen, wie der kranke Finger dunkelbraun und die ganze Hand mit Blut unterlaufen war und wie es in der Brust des Armen zuckte und tobte, da sagte er nichts von dem Fortbringen nach jenem Hause, da sagte er nur: „Recht viel neugemolkene Milch trinken, guter Mann, recht viel Milch trinken! Und Du Martin, bleib’ heut’ und morgen schön beim Vater und reiche ihm Labniß. Da hast Du das Geld für den Kräuterbund.“
Dann saß er noch eine Zeit auf dem Holzstockel neben dem Lager, reichte endlich dem Kranken und dem Knaben die Hand, nahm den Kräuterbund und ging.
Als hierauf der Doctor unterwegs zu einer Kohlstatt kam, rief er dem Köhler zu: „Köhler, wenn Ihr Zeit habt, so geht hinauf in die Hütte zum kranken Mann, ’s ist nur der Knabe bei ihm und er wird sterben.“ –
Und siehe, nach wenigen Tagen trug man aus jener Hütte und durch den Wald einen Sarg. Der Knabe, der ihm folgte, weinte nicht, er blickte nur immer auf die Baumwurzeln.
Nach all dem vergingen Jahre. Martin wuchs auf und der Doctor begegnete ihm oft auf seinen Wanderungen im Gebirge.