Jetzt, wenn sie sich im Walde oder auf der Au begegneten, rief schon immer das Mädchen den Doctor zuerst an: „Nu, wann führt Ihr mich denn wieder einmal zum Tanz? Wann schenkt Ihr mir denn wieder einmal einen Strauß aus Eurem Garten?“ Oder sie sagte: „Bader, Euer Zithernschlagen ist recht langweilig, wenn Ihr einmal heiratet, diese traurigen Lieder wird Euch Euere Frau nicht gelten lassen; aber jetzt müßt Ihr bald heiraten, sonst mag Euch Keine mehr!“

Wenn der Doctor dann nach derlei Begegnungen und Aeußerungen nach Hause kam, übte er sich in lustigen Alpenweisen, aber so frisch und freudig sie auch anfingen, nie gingen sie lustig aus, es war, als ob die Saiten mitten im Jodeln und Jauchzen auf einmal tief herzkrank würden.

Dann ließ er das Instrument ruhen, stand auf und sah so einmal in den Spiegel.

– Grau? – Ei, damit hat’s schon noch gute Weile. Zwar hier, das Haar säh beinah’ so aus! Je nu, so jung können nicht alle Haare sein wie die ihren. –

– Ja, Doctor, jetzt mußt Du Dich bald entschließen! ’s mag Dir wohl thun und ’s mag weise sein, wenn Du Eine von der Stadt nimmst, die frischt das Glatte, Feine wieder in Dir auf und Du kannst mitten auf dem Lande das Leben der Gebildeten haben, wie es einem Doctor ja doch ansteht. Hast Du aber der städtischen Gesellschaft wirklich entsagt, gut, so nimm Dir ein Weib aus dem Walde, da bekommst Du gleich die Treue und die Güte frisch von der Natur weg. Red’ mit der Nothburga einmal, Doctor?!

Und darauf, als der Doctor einmal mit der Nothburga reden wollte, sprang ihm diese schon freudig entgegen und plauderte: „Meinem Vater darf ich’s nicht sagen, meinem Bruder und meiner Gespannin, der Marie, kann ich’s nicht sagen, weil sie oben im Grubschlag sind und erst Samstag heimkommen, und jetzt, sagen muß ich’s doch wem und so sag’ ich’s Euch, aber plaudern müßt Ihr nicht!“

„Nun?“

Da zupfte sie am Halstuch und ganz leise sagte sie: „Einen Liebsten hab’ ich und einen recht schönen und großen noch dazu. Aber jetzt – schäm’ ich mich.“

Nothburga wurde roth und sah zu Boden.