Der Doctor faßte ihre Hand: „Wie steht’s mit dem Puls, Nothburga? Ei, recht gleichmäßig. – Wenn er aber doch nicht käme, Nothburga?“
„Wer, der Martin? In Gottes Namen, wenn er nur unschuldig ist. Und Euch habe ich auch lieb.“
In derselben Nacht that der Doctor kein Auge zu. Er saß in seiner Stube und ließ die Sterne durch das Fenster scheinen. – Nothburga ist schöner als je.
– Nothburga wird gesund, sie wird leben und blühen, sie wird einen Mann glücklich machen, sie wird die Freude und die Weihe seines Hauses werden, sie wird ihm junge Menschen schenken, die seinen Namen weiter tragen. – Das Alles keimt in ihr, die jetzt durch mich der Gesundheit entgegen geht. Ich habe sie gerettet – wem gebührt nun das?
– Martin! Er ist nichts – nichts als arm, arm bis tief hinein in die Seele. Aber er ist jung und war Nothburga’s Spielgenosse und sie hat ihn lieb. Nothburga ist treu, sie wird ihn lieb haben, so lang’ er ist, aber sie wird mit ihm unglücklich werden, denn seine Seele ist voll Grübeln und Zweifeln und sein Herz hat kein Gefühl außer für seinen Wahn. Und er selbst wird fürchterlich darunter leiden, wird körperlich und moralisch zugrunde gehen und vielleicht ist es endlich gar der Selbstmord, in dem er sein Reich Gottes sucht. – Das Beste wäre, der Arme hätte es überstanden. – Giebt es nicht Fälle für den Arzt, in welchen es seine Pflicht wird...
Es wurde an die Thüre geklopft.
Wer mag das sein um Mitternacht?
„Herr Doctor, wacht auf!“ rief eine Stimme, „kommt zum Kranken!“
Der Doctor machte Licht und ging über die Treppe.
Martin lag in heftigem Fieber und in einer Art Fraisen bebte er am ganzen Körper. Der Arzt ließ ihm Eibischthee bringen, dann befahl er, daß man den Burschen zudecke und bei ihm bleibe.