Diesem wurden die Augen naß und er sagte: „Doctor, das ist mir noch mein Lebtag nicht passirt, daß mir wer zum Namenstag einen Glückwunsch gesagt hätte. Vergelt’s Euch Gott, daß Ihr mir diese Freude gemacht habt.“
„Und da hab’ ich Dir noch ein Angebinde zu übergeben.“ Der Doctor hielt einen zusammengelegten Brief in der Hand, den er dem Burschen hinhielt.
Dieser wollte nicht angreifen: „Wüßte nicht von wem, wer thät denn mir einen Brief schreiben?“
„Das Gericht, Martin, ei, so sei ruhig, das Gericht schreibt Dir, daß Du frei bist von Schuld und Verdacht.“ Er öffnete das Schreiben und las es laut, dabei mußte er seine freie Hand hinter den Rücken halten, denn Martin wollte sie unzähligemale küssen.
Es war eine große Freude in der Stube.
„So wärest Du gesund und frei, Martin, was wirst Du nun machen?“
„Ja, ich werd’ halt jetzt hinauf in meine Hütte gehen und werde über den Winter schnitzen und Strohschuh’ flechten. Vielleicht thu’ ich dann einmal was Anderes auch noch, ’s mag wohl sein und man kann’s nicht wissen, aber Euch sag’ ich’s schon früher und Ihr müßt für mich reden. Schaut, ich möcht’ halt mit der Nothburga was anfangen. Da thät’ ich Euch wohl bitten, daß Ihr mein Brautwerber wäret und sonst auch – bin Euch viel schuldig geworden! Doctor, sagt’s jetzt, was Ihr verlangt, nach und nach werd’ ich Euch das Geld schon schicken!“
„Ich verlange nichts,“ sagte der Arzt; „mit dem Weltglück aber, lieber Martin,“ der Doctor faßte die Rechte des Wurzelgrabers, „mit dem Weltglück laß es gut sein. Es mag Jeder für sich sehen, daß er’s findet. Und wenn Du denn einmal durchaus beglücken willst, so thue es an einem Einzigen, besser ist es, einem Verschmachtenden den Trunk Wasser zu reichen, als Allen das Himmelreich schenken zu wollen. Und selbst, wenn Du dieses auch hättest, die Menschen würden es von Dir nicht nehmen, sie thäten Dich nur steinigen. Merke Dir das und arbeite für Dich und Deine Hütte; baue Dir ein festes, friedliches Daheim und mache es, unbekümmert um alle Stürme draußen, zu einem Reiche Gottes. – Sollte Dir aber doch wieder einmal ein schwerer Gedanke kommen, so geb’ ich Dir dagegen ein Mittel mit, das Dein Gemüth erleichtern und erfreuen und Dir helfen wird. Komm’ mit mir in meine Stube!“
Und als sie in seine Stube kamen, da saßen in derselben auf der Ofenbank – die Nothburga und ihr alter Vater.