„Ihr seid wohl der Besitzer dieses schönen Gehöftes?“

„Geht mich nichts an. Wenn der Herr wünscht.... den Stock schneide ich im Walde.“

Die Beiden gingen weiter – der Graber-Schorsch voran, der junge Fremde hinten d’rein.

Das Viktel stand hinter dem Fenster und zitterte. Sie hatte jedes Wort vernommen, sie hatte dem Fremden in’s Gesicht geschaut so lange, bis derselbe plötzlich seinen Blick gegen das Fenster hin wandte; am schimmernden Glase prallte dieser Blick zurück, und doch schoß er wie ein Blitz in das Herz des Mädchens, dem es heiß bis in alle Finger- und Zehenspitzen fuhr...

Eine Weile war sie wie betäubt dagestanden, dann sprang sie hin, riß die Thür auf und eilte den beiden Männern nach. Erst draußen auf freiem Stoppelfelde holte sie dieselben ein. Der Schorsch schleuderte ihr einen wilden Blick zu, aber sie griff nach der Hand des Fremden, daß dieser still stand und fast erschrocken war vor dem schönen, blondlockigen Mädchen, das so plötzlich neben ihm stand.

„Halt’ mir’s der Herr nicht für übel,“ sprach sie heftig athmend, „kennt Ihr ihn nicht?“

„Wen, mein Kind?“

„Den da!“ sie streckte ihren Finger gegen den Schorsch aus und rief: „Zu tausend Gottes Willen, Herr, mit dem geht nicht auf den Berg!“

„Du Luder, Du verdammtes!“ knirschte der Schorsch und wollte über das Mädchen herfallen.

„Halt!“ rief der Fremde und stieß ihn zurück; da fuhr der Andere wuthentbrannt in sein Kleid, im nächsten Augenblicke knallte ein Pistolenschuß und der Graber-Schorsch floh in wilden Sprüngen hin gegen das Birkengehölze. – Als der Rauch verflogen war, stand der Fremde todtenblaß, so daß das Mädchen aufschrie: „Heiliger Gott, hat er Euch was gethan?“