„Ah so?“ meinte der Leeshofer, „jetzt kann ich mir denken, um was es sich handelt. Ein Zeugenverhör, gewiß des Graber-Schorsch wegen. Ei ja, Viktel, da mußt Du freilich gehen, da bleibt nichts Anderes übrig.“
Das Mädchen war innerlich tief enttäuscht. Also nur zu Gericht sollte sie und aussagen, wie der Schorsch den Fremden führen wollte und auf sie geschossen hat. – Und wenn man sie auch des Ringes wegen verhören wollte? Der geht nimmer vom Finger.
Man wünschte ihr viel „Glück und Gesund“, sie fuhr in die Residenz. Sie hatte in ihrem Leben noch keine Stadt gesehen, und als sie auf dem großen Bahnhofe ausstieg und die schwere Pracht um sich sah, und die Menge von Menschen und Wagen, und den Lärm hörte, da blieb sie stehen wie eine Bildsäule, schloß die Augen und dachte: „Jetzt, Viktel, jetzt nimm Dich zusammen.“
Die Schloßstraße erfragte sie leicht, es war die vornehmste Straße, die mit ihrer Herrlichkeit und mit ihrem bunten Leben mitten durch die Stadt zog.
„Jetzt möchte ich nur wissen,“ sagte der Mann, den sie sich als Führer gedungen hatte, „was das schön’ Dirndl in Numro Eins zu thun hat? Gewißlich den Liebsten aufsuchen, der etwan dort auf der Wacht steht?“
„Ich muß zum Gericht,“ beschied das Viktel, das mit dem rothen Handbündelchen neben ihm herging.
„Zum Gericht? Ei so, so. Da wirst Dich aber im Weg irren, Dirndl; in Numro Eins weiß ich kein Gericht.“
„Was denn?“
„Numro Eins ist das Schloß, wo der Prinz drinnen wohnt.“