„Jesus, Maria und Josef!“ rief sie, „’leicht will er mich heiraten gar!“ – Es war ein Aufschrei. Aber der kleine Herr schmunzelte und streichelte ihre bebende Hand, mit der sie sich an einer Stuhllehne stützte. –
Eine Viertelstunde später stand das junge Bauernmädchen auf dem Teppiche des fürstlichen Gemaches. Wohin sie blickte, goldene Pracht, dazwischen Vasen mit üppigen Rosen und aufrankendem Laubwerk und in allen Wänden, aus Goldrahmen schauend, sah sie ihr ärmliches Bild. Ihr war angst und bang. Da erschien der Prinz. Er war in Militäruniform und hatte an der Brust ein Sternchen. Das sah sie nicht, sie sah nur sein Angesicht – es war dasselbe mit dem süßen Blitz des Auges, mit dem tiefen und weichen Laut des Mundes. Er schritt rasch auf sie zu, faßte ihre Hand und sagte: „Willkommen! Wir sind ja alte Bekannte, aber Sie müssen nicht übel von mir denken, mein Kind, daß ich Sie amtlich holen ließ, sonst wären Sie ja nicht erschienen und ich bin doch so sehr Ihr Schuldner geworden.“
Sie entgegnete nichts, schlug das Auge zu Boden und nur einmal zuckte es glühend zu ihm auf.
„Nun erzählen Sie mir einmal,“ sagte der Prinz und machte eine leichte Geste mit der Hand, wobei er die ihre losließ, „erzählen Sie mir, Viktoria, wie geht es Ihnen, ist die Wunde am Arm schon ganz heil? Habt Ihr noch so gutes Wetter zu Breitegg? Ich hoffe, jener Mensch wird doch wieder in Gewahrsam sein.“
Sie sah ihn fragend an, worüber sie ihm eigentlich zuerst Antwort geben solle. Aber ohne eine solche abzuwarten, bat er, daß sie in ein Nebengemach trete, und begleitete sie. Im Nebengemache rauschte eine junge, schlanke Dame in rosaseidenem Kleide.
„Hier, meine Theure,“ sagte der Prinz zur Dame, „stelle ich Dir das Bauernmädchen, den Schutzengel Deines Emerich vor!“
„Grüß’ Sie Gott, meine Liebe!“ sagte die Dame mit einem glockenreinen Stimmchen, warf einen flüchtigen Blick auf die rauhe Hand des Mädchens, an welcher der Ring funkelte, schritt, die beiden Arme vorstreckend, auf das Viktel zu, und neigte ihr Haupt leicht gegen deren Wange, daß es von Ferne aussah wie ein Kuß. „Ich habe Ihnen viel, sehr, sehr viel zu danken. O, nehmen Sie Platz.“
Blaß, wie eine Sterbende, sank das Mädchen auf einen rothen Sammtsitz; das hohe Paar richtete die freundlichsten Worte an sie; plötzlich aber stand sie auf; „ich hab’ da nichts zu suchen,“ hauchte sie und wollte davon.
Die Dame hielt sie zurück. Dem Prinzen wurde ein Besuch gemeldet. „Ich sehe Sie noch, meine Gute!“ sagte er, drückte ihr rasch und fest die Hand und ging aus dem Gemache.