Das arme Mädchen hätte ihm mögen nachrufen: Bleib’, laß’ mich hier nicht allein! –
„Das, was ich Ihnen schulde, wackeres Kind, ist nicht mit Gold zu bezahlen,“ sprach nun die Dame, „Sie sind wohl arm, wie Alle Ihres Standes; Sie haben von mir eine sorglose Zukunft zugute; dieselbe ist Ihnen durch eine für Sie hinterlegte Summe bereits gesichert. Vor allem bin ich bewogen, Ihnen den Ring abzulösen, den Ihnen mein dankbarer Gemahl als Pfand gegeben hat. Nehmen Sie als erstes und heiligstes Zeichen meiner Erkenntlichkeit dieses Kreuz.“ –
Sie wollte dem Mädchen ein goldenes Kreuzchen um den Hals hängen, dieses wehrte mit beiden Händen ab und rief: „O Gott, nein! Was brauch’ ich noch voran ein Kreuz, hab’ eh hinten eins.“
Die Dame machte ein Lächeln, weil sie glaubte, die Bauernmagd rede im Spaß; bei dieser jedoch war es harter Ernst. „Ich bin kein Prälat nicht,“ sagte sie trotzig, „ich bin eine dienende Dirn und weiß es gleichwohl, daß es nicht kann sein, aber den Ring, den er mir einmal hat angesteckt, den geb’ ich nimmer her.“
„Ich bitte zu bedenken, meine Liebe,“ hauchte die Dame, „daß mir gar viel an dem Kleinode liegt!“
„Mir auch,“ stieß das Mädchen heraus und biß die Lippen zusammen.
„Daß es der Verlobungsring ist, den mein Emerich von mir erhalten hat.“
„Das kann schon sein,“ versetzte das Viktel, „aber Euer Mann ist er nicht. Ich weiß es recht gut, daß unser Prinz noch nicht geheiratet hat.“
„Ich muß bitten!“ sagte die Dame und erhob sich. Das Mädchen blieb sitzen, richtete sein Gesichtchen ernst und traurig zu dem blassen Antlitze der Fürstin und sprach: „Es ist nicht recht, daß ich es sage, aber es ist auch nicht recht, daß Ihr unverheirateter Weise so beisammen lebt. So gut wie Ihr, kann ich ihn jetzt auch lieb haben, und –“