Die Dame strich rauschend durch das Gemach; dem Mädchen knickte sein Haupt ein, es verdeckte das Gesicht mit beiden Händen und rief: „Es kann nicht sein! Ich hab’ ihn so viel lieb!“ und schluchzte laut.
Die Fürstin eilte auf sie zu, legte ihr weiches Händchen auf die Schulter der Weinenden und sagte mit Beklommenheit: „Thörichtes Kind!“
In ihren Augen selbst glänzte eine Thräne. Wie fand sie die Liebe zu dem Manne, der ihr Glück war, begreiflich, verzeihlich! Hier liebte nicht das Bauernmädchen den Prinzen, sondern das Weib den Mann. Die Fürstin haßt ja alle Nebenbuhlerinnen, wie es jedes Weib thut und nicht anders kann – aber das kindliche Geständniß dieses armen, jungen Wesens, das unter seinem Schmerze zusammenschauert, rührte sie.
„Viktoria,“ sagte sie sanft, aber im Tone, wie man zu einem Kinde oder zu einem Irrsinnigen spricht: „Du hast einen schönen Namen, Du wirst siegen über eine Leidenschaft, die Dich zugrunde richten müßte. Du wirst einen braven Mann finden, der Dich glücklich macht, wie Du es verdienest.“
„Ich bitte tausendmal um Verzeihung, wenn es ungeschickt war,“ versetzte das Mädchen und wischte sich die Thränen aus den Augen, „bin gleichwohl so gescheidt, daß ich weiß, ein armes Dienstbot kunnt nicht taugen für so einen Herrn. Nur den Ring geb’ ich nimmer.“
„Aber, meine Gute –“
„Wenn ich ihn nur nicht wieder gesehen hätt’! Ich bin in Euer Haus gekommen zu meinem Verderben!“
„Ich sage Dir noch einmal, Du sollst von heute an ein sorgenfreies Leben haben, sollst nicht mehr in den harten Bauerndienst, sollst selbst eine wohlhabende Bäuerin sein. Nur denke nicht, mein Kind, und vergesse für alle Zeit – ich wünsche es – und streife das fremde Gold von Deinem Finger, dann wirst Du froh sein.“
„Nein!“ schrie das Mädchen, „den Ring gebe ich nicht mehr. Der Ring ist verwachsen mit meinem Fleisch und Blut.“