Die Fürstin, ihrer kaum mehr mächtig, hastete bebend nach der Linken des Mädchens. Dieses riß aus und rief: „Und wenn Ihr mir den Finger abschneidet, ich kann ihn nicht lassen!“ Da trat der Prinz wieder ein und traf beide Frauen weinend. Das Viktel aber sprang auf, wies mit dem Finger auf den Eintretenden und sagte: „Den hätten Sie gefunden ermordet auf dem Wockenberg, wenn ich nicht wär’ gewesen. Aber dafür verlang’ ich nichts; daß ich ihn abgehalten, ist Christenpflicht gewesen. Nur der Ring ist’s! Weil er mir den gegeben hat, gehört er mein. Ich kann mir nicht helfen!“ – Mit diesen Worten stürzte sie dem Ausgange zu.

Die Fürstin sank auf einen Fauteuil und hauchte: „Das ist mein Unglück.“

„Was ist vorgefallen?“ fragte er.

„Sie giebt ihn nicht zurück!“

„Lasse sie, Angela, lasse sie,“ beschwichtigte der Prinz, „es ist ein albernes Wesen.“

„So sprichst Du heute, Emerich. Weiß ich aber, was war und was kommen kann? Ach, der Verlust dieses Ringes ist mir eine böse Bedeutung.“

„Was war, meine Einzige, das habe ich Dir schon zur Genüge mitgetheilt,“ versetzte er.

„Ich finde es nicht gut für einen Fürsten, sich allzu harmlos unter das Volk zu begeben,“ sagte sie.

„Ich stimme Dir bei, Angela, nur dünkt es mich langweilig, immer und immer den Herrscher spielen zu sollen. Ich sehne mich zuweilen, Mensch zu sein draußen in der Natur. Ach, warum soll der Fürst immer gefangen sein, umringt und bewacht! Die Krone, die sie mir in kurzer Zeit auf’s Haupt drücken wollen – ich gebe sie wohlfeil!“