Sie sagte nichts darauf, ging still und langsam neben ihm her und dachte allerhand.
– So ist’s, wenn der Mensch großen Herren dient, der Eine geht mit Schand und Spott aus, der Andere mit einer Blessur.
Sie mußte so laut gedacht haben, daß es der Invalide hören konnte, denn er sagte nun: „Welcher hohe Herr hätte denn einen Nutzen an meinem durchschossenen Fuß? Ich bin freiwillig gegangen, wie ich gesehen hab’, der Feind wollt’ in unser Land einbrechen. Und wenn ich ein Bettelmann sollt’ bleiben mein Lebtag lang, so wird’s mich nicht gereuen, daß ich gegangen bin.“
Sie blieb stehen, schaute ihn an – es war ein schöner Kopf, seine Augen brannten nicht, wie der Blitz, sondern wärmten, wie Sonnenschein.
„Narrheiten,“ sagte sie, „wer wird denn ein Bettelmann bleiben! Wo ist Er denn daheim?“
„Ja,“ antwortete er, „daß weiß ich selber nicht recht. Gebürtig bin ich in Wernsdorf, und seit neun Jahren habe ich in Oberkirwald als Holzknecht und auch sonst herum gearbeitet, und da hab’ ich gehört, wollten mich die Wernsdorfer nicht mehr gern behalten, weil sie sagen, das Heimatsrecht wäre verjährt.“
Das gab ihr wieder zu simuliren, denn, wie wir schon bemerkt haben mögen, das Viktel war kein Weibsbild, welches blos sprechen, sondern welches auch denken konnte. Schau, dachte sie, das ist auch spaßig, der hat keine Heimat und hat sich doch für seine Heimat anschießen lassen.
„Geh,“ versetzte sie jetzt, „bist schon nicht bös’, wenn ich Du sag’ – geh’, häng’ Dich ein in meinen Arm, thust Dich gleich leichter.“
„Wenn Du schon so gut bist,“ sagte er und hing sich ein wenig an ihren Arm, „mich lust’s zwar gar nicht nach Wernsdorf, aber Deinetwegen gehe ich gern mit Dir, weil wir schon so Bekanntschaft machen. Wie heißt denn, Dirndl?“