Ein junger Prinz zu sein, dem man alsbald die Krone aufsetzen will, eine schöne maienfeine, liebesglühende fürstliche Braut zu haben – ich wollte mir nicht viel Besseres wünschen. Prinz Emerich wollte es eigentlich auch nicht, aber eben, weil der Mensch nicht Herr seiner Wünsche ist, so ist er nicht Herr seines Glückes. Prinz Emerich war sich’s vielleicht gar nicht bewußt, was er wollte, oder gestand sich’s nicht ein. Das half ihm aber nichts, er fühlte sich unbehaglich, unzufrieden.

Mit erneuter, erzwungener Lebhaftigkeit wandte er sich zu Angela, der Eifersüchtigen, Leidenschaftlichen, dem Weibe mit diesen zwei Fehlern, die sonst den liebenden Mann zu entzücken pflegen.

Ihre Eifersucht hatte zuerst das Gespenst genannt, das seither nicht mehr ganz von ihm gewichen war. Es neckte und ängstigte ihn mit lieblichen Träumen. Er sagte es laut und sagte es still, er habe nur die Fürstin lieb, aber sein Herz loderte an ihrer Glut nicht auf, wie sonst, er dachte an –

Ja wohl, er dachte an jenes Wort seiner Braut, der hingegebene Ring hätte kein gutes Bedeuten. Jenes einfältige Kind – es ist ja doch noch ein Kind – kennt nicht einmal den Geldeswerth des Ringes, der ihr an Gold zehnmal aufgewogen wird, und es giebt ihn nicht vom Finger. Sie denkt nicht an den Mann, aber sie will seinen Ring, und ahnt es nicht, was von ihm an diesem Ringe hängen geblieben ist...

Als der Winter vorbei war mit seinen glänzenden Festen und glänzenden Qualen, mit dem starren goldenen Joche des höfischen Lebens, unter welchem Mancher seufzt, aber Alle lächeln müssen – jene in Rosen maskirte Last, welche der Menschheit ewiger Dämon, der Keinen wahrhaftig glücklich sein läßt, tückisch dem Reichen aufgebürdet hat – als die „Saison“ vorbei war und der Frühling hereinlächelte über die Mauern der Stadt, da fühlte Prinz Emerich in sich die Sehnsucht erwachen nach den Bergen. Hinaus in die stille, einfache, große Natur und zu jenen schlichten Menschen, deren Tugenden größer sind, als die der Vornehmen, weil sie selbstloser sind; deren Fehler und Laster unschädlicher sind, als die der Großen, weil es ihnen an Macht gebricht.

Und eines Tages bestieg er sein Roß und ritt incognito davon. Warum er gerade die Richtung nach Breitegg einschlug? War es die von Ferne blauende Höhe des Wockenberges, die ihn reizte? Als er unterwegs auf den Fluren die jungen, anspruchslosen Blümlein sah, da dachte er wieder an das Viktel. Das war jenes von Eifersucht erweckte, liebliche Gespenst. Aber sie hatte für ihn geblutet. – Die Zeit her nicht allzu selten, wenn sein Sinnen unbewacht war und er sich dem stillen Hinschwärmen übergab, war ihm das Bauernkind eingefallen, das seinen Ring trug. Allmählich hatte seine dichterische Seele ihr anmuthiges Bild umgestaltet und vervollkommnet zu einer jener reizenden Schäferinnen, von denen die alten Sänger erzählt haben, und für die er schon als Knabe eine wunderliche Zuneigung gefühlt hatte.

Das schwarze Hengstlein trabte flink dahin, als wüßte es den Weg, den sein Herr meinte. Die Hügel erhöhten und bewaldeten sich und der Wockenberg kam immer näher; das Blau seiner Wälder bräunte sich und seine Felsenzinnen wurden schärfer und schärfer. – Oft sehnte sich Prinz Emerich nach einsamen Höhen. Die gesellschaftliche Höhe, auf der er stand, wollte ihn nicht befriedigen; es schien ihm, als wäre von ihr aus der Blick auf das Leben ein gar umnebelter und verschobener. Ihm verlangte nach freier, reiner Höhe, um mit dem klaren Auge des Denkers und dem warmen Herzen des Menschen die Welt zu betrachten. Er kannte den hohen Werth der Kunstblume: Civilisation, aber er suchte und liebte auch das verborgene Veilchen und das Dornröschen in der Wildniß.

Hinter der mit jungen Buchen besetzten Schlucht, welche aus der Hügelgegend in das Bergthal von Breitegg führt, sah unser Reiter neben dem Wege einen Mann, der auf dem Feldhange mit einer Haue emsig in die Erde Löcher schlug und in jede dieser Vertiefungen etwas hineingleiten ließ. Der Mann trug eine Soldatenmütze.

„He,“ rief der Reiter dem Arbeiter zu, „was macht Ihr da?“