Der Reiter nahm die Einladung an, bog um den Berg, hielt vor dem Häuschen und sprang vom Pferde. Als er sich bückte, um durch die niedrige Thür einzutreten, stand das Viktel vor ihm. Er erschrak, sie nicht.
„Herr Hochheit,“ redete sie ihn an, „das gefreut mich, daß Er uns auch einmal heimsucht.“
„Wie!“ rief der Prinz, „da finde ich ja meinen Schutzgeist!“ Sein erster Blick war auf ihre Hand, sie trug ein Ringlein, aber nicht das seine.
„Ist vorbei,“ entgegnete sie, „wer wird denn von so Sachen so lang’ reden! Wenn der Herr Hochheit niedersitzen möcht’! Ist halt Alles so viel ungeräumt bei uns. Jetzt muß ich aber geschwind meinen Mann herheißen.“
„Wenn es der Bohnensetzer ist,“ sagte er, „der kommt bald nach, hab’ schon mit ihm gesprochen. – Also, verheiratet, Viktel!“ Er sagte das Wort leise und weich und blickte ihr in’s Auge. Aber jetzt that ihr sein Blick nichts mehr.
„Ich hab’ einen braven Mann kriegt,“ entgegnete sie, „von Wernsdorf ist er gebürtig. – Ja, und jetzt fällt mir was ein.“
Sie eilte in eine Nebenkammer, kehrte bald wieder zurück und hielt zwischen den Fingern einen in weißes Papier gewickelten Gegenstand.
„Das gehört dem Herrn,“ sagte sie, „ich brauch’ es nicht.“
Er nahm den Gegenstand und schälte ihn aus dem Papier, es war der Brillantring. – Er verbarg seine innere Bewegung und sagte ganz gelassen: „Sie giebt mir das zurück und denkt nicht daran, daß es mich kränken könnte?“