„Bitt’ halt um Verzeihung,“ antwortete das Viktel, „ich red’, wie ich’s versteh’, aber ich sag’, auf’s Kränken darf man nicht allemal schauen. Es ist recht närrisch von mir gewesen und ich will es dem Herrn Hochheit seiner Frau Braut tausendmal abbitten, daß ich dazumal den Ring nicht hergegeben hab’. Wenn Ihr Euch miteinander einmal versprochen habt, so gehört der Ring dem Herrn und der Herr gehört ihr und da hilft Alles nichts. – Thu’ ihn jetzt der Herr Hochheit nur einstecken, daß Er ihn nicht verliert, und ich bedank’ mich für den guten Willen.“

Bei Hofe lernt man ein gutes Benehmen für allerlei Gelegenheiten und Verhältnisse. Aber in dieser Sache wußte der Prinz nicht, was er sagen und thun sollte. Er hielt den Ring lange in seiner Hand und betrachtete das Viktel. Nun aber war’s seltsam. Ein unsichtbarer Faden, der sich so allmählich gesponnen, der bisher sein Herz so eigenartig beunruhigt und ihn in diese Gegend gezogen hatte, war nun plötzlich wie abgeschnitten. Er begriff nicht, wie er an dieses Bauernmädchen so oft hatte denken müssen. Es war, wie alle anderen hübschen Dirnchen auch sind. – Aber – und das fiel ihm nun ein – die Eitelkeit! Wie maßlos muß die Eitelkeit eines Mannes sein, wenn sie selbst einem Fürsten gefährlich werden kann, welcher weiß oder zu wissen glaubt, daß eine Bauerndirne in ihn verliebt ist! – Ob denn nicht doch die Eitelkeit ein gutes Theil zur wirklichen Liebe beiträgt? – Nun sie einen Andern nahm, ist’s in ihm kühl. Er sah sie an und gestand sich nur noch das Eine: Konnte sie auch nicht so schön sein, als sie in ihrer Abwesenheit ihm die Phantasie gestaltet hatte, so war sie doch eigentlich schöner als vor einem Jahre. Die Farbe ihres Gesichtes war zarter und ein wenig weißer, ihr Auge schien größer und noch milder, ihre Lippen lächelten weicher und ihre Locken schmiegten sich noch ungezwungener um das Köpfchen, wie damals. Auch waren die Formen ihres Körpers gerundeter.

Dann betrachtete der Prinz das ärmliche, aber reinlich gehaltene Häuschen und sagte nun: „Warum habt Ihr nur keinen größeren Hof gekauft?“

„Das Kaufen ist leicht gesagt,“ meinte sie.

„Ihr zieht es vor, das Geld auf Zinsen liegen zu lassen.“

„Wir haben keins.“

„Es ist doch bekannt, daß bei Eurem Gerichtsamte eine Summe für Dich hinterlegt wurde?“

„Ich bedank’ mich recht,“ sagte sie, „aber für den Rath, daß der Herr nicht mit dem Schorsch auf den Berg gehen sollt’, will ich nichts nehmen. Unsereins braucht auch oftmals guten Rath und kann ihn nicht zahlen.“

„Doch für den Blutstropfen.“

„Ist lang’ verheilt. Gießen ja auch die Soldaten ihr Blut aus und kriegen nichts dafür.“