Am dritten Tage ließ die Aebtissin der jungen Novize sagen, sie und alle ehrwürdigen Schwestern seien erfreut, daß Gudwella so geduldig und standhaft in ihrer Buße verharre, und man bete für sie, daß sie auch noch den letzten Tag und die letzte Nacht in christlicher Ergebenheit zubringe, auf daß sie rein und gerechtfertigt in die heiligen Mauern des Klosters zurückkehren könne.
Es war dem Stifte viel gelegen an diesem Weltkinde, welches, wenn auch launig, übermüthig und ausgelassen, doch sein irdisch’ Gut der himmlischen Gemeinde zum Opfer brachte. Die bösen Begierden erachtete man durch die stille Herberge wohl als gebrochen; und so wurde erwartet, daß Gudwella, die in dieser Sache weder an ihrem strengen, gottesfürchtigen Vater, noch an einem anderen Freund oder Verwandten eine Zuflucht hatte, nach Verlauf des Probejahres den bindenden Segen, der sie bis zum Tode an das Haus des Friedens fesseln soll, dankbar annehmen werde.
Darum wurden dem Mädchen am dritten Tage seiner Gefangenschaft die obigen gütigen Worte gesagt. – Zwei Schwestern hatten sie gebracht, waren aber bald wieder aus dem unheimlichen Gemache davongegangen. – Die haben es eiliger, als die brave Nonne, die zur Nachtzeit kommt, um der armen Büßerin christliche Beistandschaft zu leisten – hatte sich der Pförtner gedacht.
Dann hatte der Alte der Gefangenen wieder die nöthigen Dinge gebracht, und hatte schließlich gefragt, ob noch Oel in der Lampe, worauf Gudwella „ja“ geantwortet, und hatte die Zelle verlassen.
An diesem Tage waren zwei Hummeln in das Kämmerlein geflogen, hatten um das Haupt des Mädchens eine Weile herumgeläutet, hatten hierauf Hochzeit mit einander gehalten.
Der Schmetterling unter den Birkenblättern aber hatte sich noch immer nicht entpuppt, und das Mädchen blickte sehnsüchtig in den sonnigen, blühenden Tag hinaus, in welchem überall das Leben spann und klang. Die Hügelchen schienen sich nach und nach zu ebnen, selbst die hölzernen Kreuze morschten und sanken der Erde zu, während aus dieser Halm um Halm, Blüthe um Blüthe in reicher Fülle sproßte.
Endlich kam auch des dritten Tages Abend und mit ihm die Nacht. Bei dem Pförtner meldete sich wieder die Klosterfrau, im Kämmerlein erschien der Ritter.
Er grüßte minniglich, sie dankte fein. Er hob ihre weiche Hand zu seinen Lippen, sie lächelte mild. Sie war heute nicht übermüthig und sie war nicht verzagt; sie war der Jungfrauen holdeste – sie dankte süß, daß er gekommen.