Beim Winzer an der Seim,

Ist der Felix daheim.

Weinles’jubel im Land!

Sang und Klang, Schwänke und Späße, Springen und Eilen. Die Sonne als die Festgeberin legt Goldschein über die Gegend; der Himmel hat sein Sonntagsgewand an, den schönen blauen Mantel, der durchsichtig ist wie Glas und dennoch die Geheimnisse der Unendlichkeit verdeckt. Wer auch frägt danach, was oben, so lang’ die Erde Trauben beut!

Alle Schornsteine der Höfe, der Winzerhäuser hingegen plaudern in bläulichem Athemhauch das Geheimniß des Herdes aus und andere Umstände lassen vermuthen, daß in den Kellern alle Spundlöcher und Pippen offen sind.

„Jetzt giebt’s wieder was zu trinken für ein ganzes Jahr!“ so jauchzt die Welt auf und deswegen das heitere Treiben und der Weinles’jubel im Lande.

In den Reben der Hügel und Hänge an der Seim ist’s alllebendig. Weißärmelige Burschen, knappgeschürzte Mädchen mit krummen Messern, mit Körben und Kübeln schlüpfen herum, schier zu sehen, wie ein gegenseitiges Verstecken und Fangen in den Büschen. Und die Dorfmusikanten versuchen in hellen Stößen ihre Trompeten oder kochen erst ihre heiser gewordenen Clarinetten in Rindsfett aus, damit diese Pfeifen für den Abend glatte, weiche Stimme kriegen. Und die Schäker der Gegend sinnen heimlich auf Possen und Schabernack, sinnen auf Vermuthungen und tolles Gespiel; den Mädchen rieselt schon das leichtlebige Blut in den Füßen um; – nimmer mögen sie es von Astronomen gehört haben, daß Alles in der Welt tanzt und kreist – es leuchtet ihnen selber ein und sie besonders halten gerne mit, bei dieser trefflichen Weltordnung.

Die Seim, die aus dem Gebirge und den finsteren Wäldern kommt, thut weit ihr blaues Auge auf über ein so fröhliches Land. Aber dieses Völklein schert sich um das schöne klare Wasser nicht – es hat ja den Wein.

Hei! Zwei Rößlein traben die Straße von oben heran.