„Wenn’s nur nicht gefehlt ist!“ sagte des anderen Tages die Froschreiterin, „mich deucht allerweil, es soll nicht sein.“
„Geh, geh,“ rief der Alte, „Ihr Weiber habt fortweg so Flausen. – Auch mir geschieht nicht leicht, daß ich den Buben weggeb’; ja, wenn sich Eins immer nachgeben wollt! – Junge Leute müssen hinaus in die Welt, müssen was probiren. Das leidig’ Soldatenleben nehm’ ich aus, aber das muß ich sagen: wär’ ich weiter gekommen, als vom Tisch bis zum Ofen, ’leicht ging’s mir besser. – Und die Ländhoferin,“ setzte er bei, „die Großbäuerin, scheint mir, ist eine brave, respectirliche Frau.“
Einen Tag später trabten die zwei Rößlein wieder heran und – einen Stich im Herzen gab’s dem Burschen – er glaubte schon, der Wagen wollte nicht halten. Der Wagen hielt aber. Die Großbäuerin stieg aus und that noch freundlicher gegen Alle und sie war in ihrer Rührsamkeit und Heiterkeit fast jung.
An den rothgeweinten Augen der Mutter sah sie’s gleich: der Felix geht mit ihr. Sofort machte sich die Ländhoferin an das betrübte Weib und sprach über die Kinder, über den Garten, über die Hühner und Alles, woran eine rechte Hauswirthin Freude hat. Da wurde die Froschreiterin ganz zutraulich und band unter neuerlichem Schluchzen ihren Aeltesten, ihren liebsten Buben, der Großbäuerin recht an’s Herz....
Und nach einer Weile kam der Felix aus seiner Dachkammer herabgestiegen. Der Felix im Staate! Die Tuchkleider waren just nicht zu geschlacht, aber nett und nach gutem Geschmacke geformt. Alles hübsch schlicht, nur das hellrothe Halstuch flatterte vor dem breitüberschlagenen Hemdkragen wie ein keckes Kirchweih-Doppelfähnchen. Der Hut war etwas in die Stirne gedrückt, nur ließ er noch die beiden Haarbüschel sehen, die an den Schläfen herunterstanden.
Eines der kleinen Mädchen bringt einen Strauß von Rosmarin und Vergißmeinnicht: „Felix, den Wanderbuschen geb’ ich Dir mit!“ Jedes will dem scheidenden Bruder etwas geben; der kleine Anton nur sagt: „Felix, ich habe gar nichts als das schwarze Lämmchen, aber das gehört dem Vater.“
Die Mutter hatte das Bündel gebunden – es war nicht groß.
„Das macht nichts,“ sagte die Ländhoferin, „auf meinem Hof wird ihm nichts abgehen. – Kannst das auch noch daheim lassen, Felix, meinetweg gar Deinen Rock. Der liebe Gott – hat mein Vater fort gesagt – schaut nicht auf die Kleider, schaut nur auf’s Herz. Der Ländhof macht’s auch so.“
Wird wohl rechtschaffen gut auszukommen sein mit der Bäuerin, dachte sich der alte Froschreiter.