„Bleib mir nur brav, Bub’,“ sagte er, „und mach’ uns und Deiner Dienstfrau keine Schand’. Thu’ fleißig arbeiten und kriegst was, so sei dankbar und allerweil sparsam. Denk’ auf den Bettelstab, Felix!“
„Was nicht noch!“ rief die Bäuerin, „Bettelstäbe wachsen nicht auf der grünen Länd’.“
„Und vergiß nicht auf’s Beten,“ fiel die Mutter ein, „da hast einen Rosenkranz mit, ist noch von meiner Mutter selig.“
„Ja, ja, Samstags – Samstags wird auf dem Ländhof Rosenkranz gebetet,“ unterbrach die Großbäuerin ein bischen gereizt, „und zur Christenlehr’ kann er Sonntags gehen.“
Dann setzten sie sich zu einem kleinen Mahle. Aber es wurde nicht viel gegessen.
Der eigentliche Abschied war kurz. Die Ländhoferin hatte plötzlich anspannen lassen und die Pferde waren ungeduldig. Noch hatte die Bäuerin der Winzerin ein Papier in die Hand gedrückt: „Seh’, seh’, nicht fallen lassen!“ noch hatte sie dem Froschreiter versichert: „Wird Euch nicht reuen, daß er mitgeht, wird Euch nicht reuen!“ Dann saß sie mit Felix schon auf dem Wagen.
Einen Händedruck dem Sohne, noch ein väterliches Wort – und das Zeug rasselte davon.
Der Bursche winkte mit der Hand, mit dem Hut noch zurück, die Eltern und Geschwister winkten, weinten ihm nach. Da war der Wagen auch schon um die Reide und sie sahen von dem Gefährte nichts mehr als den aufgewirbelten Staub.
Nach einer Weile, da es im Winzerhäuschen wieder still geworden und Jegliches bei seiner Beschäftigung war, nur die eine Lücke, wo der älteste Sohn gewaltet, unausgefüllt – stand die Winzerin am Herd, um die Pfanne auszuscheuern, in der sie vorhin das Abschiedsmahl gekocht hatte. Sie hielt noch das Papier in der Hand, welches ihr die Ländhoferin zugesteckt. Sie entfaltete es – eine Geldnote. Da war ihr zu Muth, als hätte sie ihr Kind verkauft. Rüstige Arbeit half ihr über den argen Gedanken hinweg. Plötzlich hielt sie ein und sagte laut zu sich selber: „Na, Jesu Christi, vergessen hab’ ich doch was. Eins hätt’ ich ihm noch sagen mögen. – – Es ist ein gutherziger Bub. Mein Gott, das Kinderweggeben thut weh. Und man kennt die Leut’ nicht –“
„Mutter,“ sagte der kleine Anton, der ihr heute fortweg an der Kittelfalte hing, „Mutter, der Felix wehrt sich schon, wenn es gilt, o, der ist stark! Ich hab’s gesehen, es wachst ihm schon ein wenig der Schnurrbart.“