Fand’s nicht praktisch, der Bursche, der eiserne Ring war so, daß er, um denselben zu fassen, seinen Arm über die Schultern der Beisitzerin hätte legen müssen.
„Finde es,“ fuhr sie fort, „bei einer Heirat gar nicht einmal nöthig, daß der Mann älter ist als die Frau; ich weiß Fälle, wo es gerade umgekehrt war und doch die beste Ehe ist gewesen. Ja – und daß ich’s erzähl’, mein Mann ist Dir um vierunddreißig Jahr’ älter gewesen als ich; wie ich’s gesagt: aus reiner Barmherzigkeit hab’ ich ihn gepflegt. Vor etlichen Monaten erst ist er gestorben – tröst’ Gott sein’ Seel’. Ich hab’ groß’ Haus und Hof am Hals und dazu ist sich oft die tüchtigste Frau völlig zu wenig. Was hast denn Du für eine Schramme an Deinem Finger?“ Sie faßte prüfend seine Hand.
„Im Auswärts beim Rebenschneiden ist das Messer hineingesprungen,“ berichtete der Winzerssohn. Sie ließ aber die Hand nicht mehr los, tändelte mit derselben und fuhr fort zu reden: „Mein Gott, man wehrt sich lang’, aber das Haus muß einen Herrn haben, man kann’s wenden wie man will. Die Mannsleut’ im oberen Viertel, das kannst mir glauben, ich hab’ meine Noth, wie sie sich bei mir einspinnen wollen. Aber ich hab’ kein Zusammensehen mit ihnen; sind lauter so ungeschlachte, langweilige Gesellen und hätten bei den Nachbarleuten auch nicht den Respect, den ein Ländhofer wohl haben muß. Ich will einen aus dem Weinland, von wo ich selber bin. Rauchst Du nicht Tabak, Felix?“
„Wüßt’ nicht warum,“ versetzte der Bursche.
„Sonst hätt’ ich Dir gern eine silberbeschlagene Pfeife von meinem Seligen spendirt zum Andenken. Lieber Gott, ich kann ihn hart vergessen; ist ein gutes altes Kind gewesen. Das aber sag’ ich, nach einem Reichen und Vornehmen lug’ ich nicht; g’rad zu alt darf er mir nicht sein und frisches Blut muß er haben, daß eine Schneid’ in’s Haus kommt.“
Jetzt machte Felix große Augen. – „Die heiratet mich!“ – Just, daß er’s nicht laut hinausrief in den Herbstnachmittag. Und daran spann er folgende Gedanken: Wenn sie mich heiratet, dann ist’s freilich aus mit dem Soldatenleben, dann bin ich der Ländhofer, der reiche Ländhofer, und kann mir gut geschehen lassen und kann meine Eltern in’s Haus nehmen und die Geschwister versorgen und den kleinen Anton studiren lassen. Das macht sich ja fein – „juch!“
Er jauchzte wirklich laut auf, der gute Junge, und er glaubte, nun wäre er mit sich und Allem in Richtigkeit.
„Das ist recht!“ rief die Bäuerin nach seinem Juchschrei, „nur lustig wohlauf und keck d’ran, mein lieber Landsmann! jungen Männern gehört die Weltkugel und der Sack dazu. Ich bitt’ Dich, Felix, jetzt ist mir die Haarnadel in den Nacken gerutscht!“
Das war nun eine heikle Sache; je mehr der Bursche ihr seidenes Halstuch lockerte, desto tiefer rollte das Drahthäkchen hinab und schließlich verschwand es in den Tiefen. Blieb demnach diese Aufgabe einstweilen ungelöst und deß’ schämte sich Felix insgeheim. Ihm, dem die Weltkugel gehört, soll eine Haarnadel entgehen?