Zwecklos ist nichts auf der Welt; zwecklos war auch dieser kleine Zwischenfall nicht gewesen. Als Felix’ Finger den Nacken der Bäuerin berührte, hatte diese ein Gefühl, das sie höher anschlug, als die hinabgeglittene Nadel.

Für die Gegend, die sie durchfuhren, können wir unter solchen Umständen kein Auge haben. Im Allgemeinen nahm die Landschaft allmählich einen ernsteren Charakter an; das Hügelgelände wurde zum Bergland, die Wein- und Obstgärten verschwanden, die Nadelwälder begannen. Zur Linken hatten die Reisenden ein sich allgemach höher bauendes Gebirge, über dessen Häuptern schon die Abendnebel des Herbstes lagen. Zur Rechten war stets der schöne Fluß mit den grünen oder felsigen Ufern. Hie und da stand ein Dorf; die Einzelnhöfe wurden immer seltener.

„Schau, dort ist wieder einmal ein Wirthshaus,“ sagte Felix plötzlich.

„Da im Wagen auch,“ entgegnete die Großbäuerin und zog einen gutgeräucherten Schinken und einen erdenen Plutzer hervor. Sie aßen vom Geräucherten und sie tranken Beide aus dem Plutzer. Trank sie, so hielt er ihr das Gefäß zurecht; sie erwies ihm denselben Dienst, nur hielt sie den Krug stets so, daß dem Burschen jedesmal viel mehr durch die Gurgel rann, als er eigentlich beansprucht hätte. Es wäre ihm aber ein Trunk auf bequemer Wirthsbank lieber gewesen. Nichtsdestoweniger fand er sich aufgelegt zum Singen und jetzt hielt er sich auch wacker am Eisenring, der jenseits seiner Genossin an der Wagenwand angebracht war. Das Weib hinwiederum war genöthigt, sich an dem Burschen festzuhalten, denn das Schütteln des Wagens wurde auf der Bergstraße immer ärger.

So weit kam’s, daß der gutmüthige Winzerssohn die Worte sagte: „Ich krieg’ keinen Athem mehr, Bäuerin!“

Als ob es ihr viel besser ergangen wäre! Ein arges Fieber war in ihr, ein Zucken in den Gliedern, ein Pochen im Herzen.

Die Erdenwege sind so herbe; der arme Pilger muß leiden und entbehren, kein Mensch kann’s glauben, was mitunter Eins in den Dreißigern aussteht!

Zum Glücke waren sie, als die Sonne unterging, auf der letzten Anhöhe. Da rief die Großbäuerin dem alten Michel „Halt!“ zu und raffte sich zusammen.

„So, Felix,“ sagte sie, „jetzt schau einmal hinab in dieses Thal, das ist die grüne Länd.“

„Wie heißt denn das Dorf dort mitten in den Bäumen?“ fragte der Bursche.