„Ein Dorf, meinst Du?“ lächelte die Bäuerin, „mein Lieber, das ist kein Dorf. Die Gebäude gehören alle zusammen, es ist der Ländhof!“
„Der ist groß!“ rief Felix aus.
„Ich denk’, wir werden Platz darin haben. Nicht wahr? Na, gelt!“
„Der ist groß!“ wiederholte Felix, „da kenn’ ich mich rein gar nicht aus.“
„Nu, paß’ einmal auf, Junge,“ sagte sie selbstgefällig, „dort das weiße Gebäude mit den zwei Fensterreihen ist das Wohnhaus. Unter den Bäumen hin rechts sind die Stallungen und Scheunen. Weiter rückwärts – man sieht ja die Funken aus dem Schornstein – ist die Schmiede und daneben mit dem Schindeldach die Mühle; sind drei Laufer; ich mahl’ für das halbe Oberviertel. Links vom Wohnhaus siehst Du die Dächer von einem zweiten Hause; in demselben sind die Vorrathskammern und die Gesindestuben. Das untermauerte Gebäude dahinter ist der Pferdestall; stehen fortweg sechs Rösser d’rin. Dann fangen die Obstgärten an, bis zum großen Anger hin, wo die Leinwandbleiche ist. Das Häusel daneben ist die Flachsbrechstube.“
Felix staunte und schwieg.
„Die grünen Wiesen,“ fuhr die Bäuerin fort, „die dort bis zum Wasser hingehen, geben dem Thal den Namen: die grüne Länd. Sie gehören alle zum Hof. Und dort der Birkenschach – die Schafweide – und die Felder bis hinauf zum Wald und die ganze Waldung, die dorthin liegt – und hinter ihr sind wieder Wiesen und Felder und Viehweiden und weiter hinauf die Alm – Alles gehört zum Ländhof. Ich hab’ achtzig Stück Rindvieh und über hundert Schafe, ich hab’ die Pferde und das Kleinvieh – im Ganzen wie viel – aufrichtig muß ich’s sagen – ich weiß es selber nicht. Nachher dort über dem Hof ist die Ueberfuhr über die Seim – kannst Du den gespannten Strang noch sehen? – Hast gute Augen. Und wenn Du mit der Plätten hinüberfährst an’s andere Ufer, so bist immer noch auf meinem Grund, Bis über den Bergschlag hin – Alles gehört zum Ländhof!“
Felix that einen Pfiff; das war ein Zeichen seines großen Staunens.