Des Weiteren – sie war ja auch daheim – lockerte sie die Kleider in etwas und löste ihr Haar, das schön und reich war, und strich mit zarter Hand seine Locken zurück.
„Ihr seid aber recht verschwenderische Leut’ im oberen Viertel,“ bemerkte Felix, „zwei Kerzen auf einmal brennen lassen – grad’ wie beim Altar.“
„Ist auch wahr,“ rief die Bäuerin und blies ein Licht aus.
Vielleicht war die Stube geheizt – im oberen Viertel ist das niemals sehr überflüssig – dem Burschen wurde warm, er knöpfte seine Weste auf, es macht nichts, er hat heute ja ein weißes Hemd am Leibe.
Die Bäuerin hatte in der Stube Einiges zu ordnen; ’s ist doch der Brauch, daß zur Nacht die Fenstertücher vorgezogen sind. Sie strich am Ofen, strich an der sittig verhüllten Bettstatt, strich an der Thür vorüber. Mit dem Ellbogen schob sie unversehens den Riegel vor und sagte: „Weißt, Felix, die heiligen drei Könige da mußt Du mir auch einmal frisch aufzeichnen.“
„Ja,“ sagte der Junge, „wenn ich’s nur kann, wie es die Ländhoferin haben will.“
Die Ländhoferin strich am Kasten hin und betastete ein erst kürzlich in der Webstube fertig gewordenes Leinwandfach. „Nein,“ sagte sie ärgerlich, „gar Schad’! nicht einmal webern können sie im oberen Viertel! Da habt Ihr daheim eine andere Leinwand! Jetzt schau einmal den Unterschied an!“ – Sie betrachtete das Fach und wollte dann auch den Brustlatz am Hemde des Burschen befühlen.
„Oha!“ lachte Felix abwehrend.
„Warum denn, Du närrischer Bub, wenn ich wissen will, was Du für eine Leinwand trägst!“