„Na, heut’ wohl, Agnes!“ rief der Kilian, „heut’ hat’s Dir den Brautkranz wohl aufgefrischt. Was hab’ ich denn gesagt zu Mittag? Hab’ ich nicht gesagt, es kommt was? Es sind die Gelsen so in’s Feuer geflogen. Jetzt macht Euch zurecht, Ihr Lotterer Ihr! Die Dirn’ weiß Bescheid; und Du, Baldl, häng’ da Deinen Wettermantel über den Herd; wie Deine Haut trocken wird, sieh’ selber zu.“

„Aber nein,“ rief das Mädchen, „aber so was, da ich bin ganz zusammengeschlagen vor Schreck!“

„Was hast denn Du wieder für einen Schreck gehabt?“ fragte der Vater.

„Geistern thut’s schon wieder oben bei der Huberts-Kapelle. Daß ich Euch nur sag’! ’s ist die Nacht und der Regen da, wie wir vorbeigehen. Stehen wir unter’s Dach, sagt der Baldl. Ist mir nicht lieb, sage ich, bei der Kapelle thut’s gern einschlagen. Hat der Uebermuth d’rauf noch gesagt, ein bissel Feuer wär ihm lieber, wie so viel Wasser – so eine Sündhaftigkeit sagen! Und wie wir unter das Dach springen wollen, sag’ ich: bleib’ stehen, Baldl! Hab’ ich so ein Summen und Klingen gehört in der Kapelle, gerade wie wenn von weitem Posaunen thäten blasen. Hab’ den Baldl zu mir gerissen und sind durch’s Wetter herabgefahren wie nicht gescheidt. Und jetzt verspür’ ich erst den Schreck.“

„Ihr seid’s zwei Kinder und wollt’s schon heiraten,“ sagte der Köhler, „wo habt Ihr aber den Pechhacker gelassen?“

„Der ist zu seinem Mardereisen nachschauen gegangen, muß bald da sein.“

Die zwei Leutchen, die hier so naß geworden waren, hatten heute einen sehr schönen Feiertag gehabt. Sie waren in Begleitung des Pechhackers drüben in der Feichtau beim Pfarrer gewesen. Der Baldl ist unter den Holzleuten im Edelwald der Meisterknecht oder Vorarbeiter. Er ist im Holz geboren und kennt sich in demselben aus, wie ein Borkenkäfer. Wie er Vorarbeiter wird, fällt’s ihm auf einmal ein, er will auch eine Vorarbeiterin haben, und geht in die Köhlerhütte und schürt Kohlen, und geht in die Schmiede und schmiedet das Eisen, so lange es warm ist. Da ist lange hin und her geredet worden, haben etliche Gläschen Branntwein dabei getrunken und der alte Pechhacker, des Kilian Gevatter, hat bei diesem Reden und Rathen vor lauter Sinnen und Grübeln ein neues Pfeifenrohr zerbissen.

Endlich ist Alles richtig worden; in einer Woche ist der Ehrentag in der Feichtau beim Wirth, da, verhoff’ ich, wird der Gevatter wieder zu einem neuen Pfeifenrohr kommen.

In der Luft war es endlich wieder still geworden, nur von den Bäumen rieselte es nieder. Die Meiler draußen, die waren nach dem Regen schwarz, wie vor demselben. Nur der aufsteigende Rauch ist jetzt in der Nacht schier weißer als sonst.