Endlich kam der Pecher heim. Aber er kam nicht allein, hinter ihm humpelten ein Mann und ein Weib in fast fremdartiger Kleidung; mit den seltsamen Päcken, die sie mit sich schleppten, stießen sie an die Thürpfosten, daß es klirrte.
„Holla ho, Hochzeitsleut’!“ rief der lange, hagere Pechhacker, „lustig sein, ich bring’ die Musikanten mit!“ Damit warf er einen breiten Filzhut auf die Bank, daß es spritzte.
„Was hast denn Du für zwei Fledermäuse bei Dir?“ fragte ihn der Hans, auf die abenteuerlich aussehenden Fremden deutend.
„Die hab ich’ da oben in der Kapelle aufgestöbert – über und über naß, unter und unter schier erfroren. Haben im Gebirg’ den Weg verloren, sagen sie, und in der Kapelle übernachten wollen. Das geht nicht, hab’ ich gesagt, ich hab’ ein großes Vertrau zu dem heiligen Hubertus, aber ich glaub’, bei Menschenkindern thut Euch diese Nacht besser. Es geht ein eiskalter Wind, weil es auf der Scharnhöh’ gehagelt hat, und das Weibel, sag’ ich, schaut ohnehin schier einer kranken Henn’ gleich. Der Kilian da unten, sag’ ich, nimmt Euch über die Nacht schon in sein Haus und kocht Euch eine warme Suppe – wird keine Schwierigkeit setzen.“
„Eine warme Suppe können sie schon haben,“ meinte der Kilian, „aber mit der Liegerstatt wird’s heut’ schlecht ausschauen.“
„Nein, nein,“ murmelte jetzt der Mann in fremder Kleidung – er war betagt und hatte eine heisere Stimme – „für mich ist Alles gut, auch auf dem Fußboden da schlaf’ ich; aber die Meinige da, die ist mir krank worden, für sie thät ich wohl um ein warmes Nestlein bitten, wenn es sein könnte.“
„Wohl um Gotteswillen!“ flehte das Weib und faltete ihre bebenden Hände.
Das war schon durch und durch ein nasser Abend, auch in den schönen veilchenblauen Augen der Agnes gab’s jetzt Wasser. „Das ist ja leicht,“ sagte hierauf das Mädchen, „die Frau schlaft oben auf dem Dachboden in meinem Bett, und den Bärenpelz drauf; dafür bleibt der Mann bei uns in der Stube und zieht dem Ding da die Pfaid ab.“
Sie hatte bemerkt, daß der Alte in seinem Sack eine Harfe stecken hatte. Der Baldl sah seinen Vortheil und unterstützte den Antrag des Mädchens. Und so wurde es. Das fröstelnde Weib trank aus der hölzernen Schale warme Ziegenmilch, dann barg es mit Sorgfalt sein Instrument, es war eine zweite Harfe, in die Ecke, sagte Allen eine gute Nacht, ließ sich auf den finsteren Dachboden führen und legte sich in’s Bett unter den Bärenpelz. Der Alte hatte seinem Weibe noch nachgeschaut und dann gesagt: „Was ich froh bin, daß sie zum Schlafen kommt; ich thue, was Ihr wollt.“