Für’s Erste wollten sie, daß er sich in ein trockenes Gewand stecke, dann, daß er ein Glas Branntwein trinke. Dann zündeten sie einen frischen Span an und setzten sich um den Tisch.
„Na, Hans, was ist’s mit Dir?“ polterte plötzlich der Pecher den finsteren Gesellen an, der wortkarg in seiner Ecke kauerte, „was meinst, wann erwürgen wir den Franzinger? Mir hat der Scherg’ das Mardereisen ausgehoben. Will er Einem auch das Raubthierfangen nicht mehr vergunnen. Der giebt nicht Ruh, so lang’ er nicht die Bohne im Leib hat.“
Der Hans ließ unter der tief in die Stirne gedrückten Hutkrempe hervor einen Blick schießen. „Ja,“ murmelte er, „’s ist Einem verteufelt langweilig am Abend, wenn man nichts geschossen hat.“
Mittlerweile war Agnes in Unterhandlung mit dem fremden Mann – der Harfe wegen. Es war ihr so wunderlich in den Füßen, just als hätte sie auf jeder Zehe ein loses Rädchen. Und kaum legte der Mann die Finger an die Saiten, haschte Agnes nach ihrem Baldl. Aber – die Saiten wollten nicht klingen. Der Regen hatte sie heiser gemacht.
„Sie werden schon trocken, derweil trink’ Branntwein,“ sagte Kilian zum Fremden, „mit Verlaub zu fragen, von wo seid Ihr denn her?“
„Wo wir hin wollen, meint Ihr,“ versetzte der Mann, „wir sind alt, wir kommen aus der Fremde und gehen der Heimat zu. Im Böhmerland sind wir daheim, nach dort sind wir jungerweise aus Preußen eingewandert. Jetzt ziehen wir schon über vier Jahr’ in der Welt herum und musiciren den Leuten was vor, weil uns von Heim der Jammer vertrieben hat. Wo es lustig zugeht, da bleiben wir; wollen sie tanzen, so spielen wir; wollen sie hören, so singen wir – die Meinige hat eine gute Stimme gehabt, letzt’ Zeit freilich, da ist ihr der Stimmstock umgefallen. Jetzt geht’s nicht mehr recht, und wenn wir singen, so geben uns die Leute Geld, daß wir aufhören sollten. Ist auch recht, sag’ ich, so brauchen wir keine Saiten zu stimmen; aber der Meinigen hat’s das Herz abdrücken wollen – das Singen ist ihr noch der Trost gewesen, seit der Junge todt ist.“
„Trinkt wacker,“ sagte der Köhler, „ich füll’ nach. Ihr müßt auch harte Sach’ durchgemacht haben.“
„Ja, das glaube ich!“ lachte der Musikant überlaut auf.
Dann schwieg er. Dem Kilian that’s leid, daß die Erzählung des Mannes verstummen wollte, er sagte denn nach einer Weile: „Böhmen soll ja ein schönes Land sein.“
„Ein schönes Land,“ antwortete der Fremde.