Und dem Mäuschen war beklommen in seinem Neste.
Herrschaft – Knechtschaft.
Mit in die Seiten gespreizten Armen stand die Ländhoferin vor Constanze: „Dirn’, es ist aus der Weis mit Dir, Du gehst vom Hof!“
„Warum soll ich denn vom Hof gehen, Mutter?“ sagte das Mädchen, die Bäuerin traurig anblickend.
„Weißt Dich nicht schuldig? Natürlich nicht,“ höhnte die Herrin, „bist allerweil die brave, fromme, folgsame Dirn’, Du – Schau, wie Du Dich verstellen kannst, Du Schlange! Heimtückisch bist! Stiftest die Leut’ auf! Der Altknecht geht! Weißt es schon, daß er geht? Deinetweg’ geht er! Den Anderen ist die Kost zu schlecht. Bist ’leicht Du die Erst’, die ihnen in die Ohren pfeift, früherer Zeit wär’ sie besser gewesen? Beim Tisch flink und bei der Arbeit faul, das ist Dein Gaul! Und andere Leut’ ziehst damit von ihren Geschäften und Pflichten weg!“
„Ich, Mutter?“ wagte Constanze einzuwenden.
„Wer denn staßt (stolzirt) leer voraus, wie eine Prinzessin und läßt sich die etlichen Aepfel nach in den Schüttboden tragen? – Und nachher noch ein Wörtel, meine Gnädige!“ Die Bäuerin that einen Schritt vor und stemmte die Arme noch fester in die Seiten: „Wer stiehlt sich denn des Nachts aus dem Hause und läßt den Dieben das Thor offen und streicht in den Büschen um und macht Zusammverlaß mit lüderlichen Lottern –?“
„Mutter!“ schrie Constanze auf.
„Leugnen willst!“ rief die Bäuerin, „bist gesehen worden, Du Saubere, mit dem Liebsten in der Kugelbahnlauben. Möcht’ ich ihn gern kennen, den Lumpen!“