Bald war das ganze Haus wach. Der Mann draußen führte sein Pferd unter Dach, denn es stürmte, regnete und schneite; dann schritt er in die Stube.

Es war ein rauhgestaltiger, vollbärtiger Mann – es war Constanzens Vormund, der alte Freund des Ländhofer’s, der Waldmeister aus Breitenschlag.

„Mit dem bist gefahren? mit dem da?“ fragte er das Mädchen und versetzte dem Winzerssohn einen Handschlag auf die Achsel. Und hierauf mußten sie ihre Wasserreise und ihre Rettung wieder und wieder erzählen. – Der Waldmeister war froh, daß auf seinem Angesichte so viel Bart wucherte, in welchem sich ein paar unberufene Augentropfen leicht verstecken konnten.

„Jetzt aber, Ihr Leute,“ sagte endlich der Mann von Breitenschlag, „jetzt habe ich etwelches vom Ländhofe zu erzählen. Dort ist die Nacht nicht so glücklich abgegangen, als da im untern Viertel. – Ich darf’s auch Dir sagen, Constanze – die Ländhoferin ist gestorben.“

Ein mehrstimmiger Ausruf.

„Was hab’ ich nicht gesagt!“ rief die Froschreiterin, „mir hat frei so viel von der Hochzeit geträumt, und das hat kein gut Vorbedeuten. – Aber na, wie hat denn das mögen sein?!“

„Will’s wohl erzählen,“ sagte der Waldmeister. „Gestern in Breitenschlag – ’s ist schon dunkel worden – will mich just stät für den Sonntag einrichten – kommt ein Bot’ von der grünen Länd: groß Unglück geschehen, die Constanz’ und den jungen Unterviertler das Wasser vertragen – die Bäuerin auf den Tod krank. – Der Schlag hätt’ sie troffen in hellem Schreck, vor der Hausthür wär’ sie zusammengesunken und ich sollt’ eilends mitkommen. Ich frag’ nicht erst, wer der junge Unterviertler ist, spring’ auf mein Rössel und in einer Stund d’rauf bin ich im Ländhof. – Mit der Bäuerin ist’s vorbei, das seh’ ich gleich; blaß wie das Leintuch, liegt sie auf dem Bett, kann nimmer viel reden.“

„O Gott, meine arme Mutter!“ weinte Constanze.

„Geh’ Dirn’, sei jetzt still,“ sagte der Vormund, „hast Ursach’ zu klagen, so ist später auch noch Zeit dazu. Jetzt hör’ auf meine Red’. – Bäuerin, sag’ ich und geb’ ihr die Hand hin, was ist Dir so jäh widerfahren? – Ist’s der Waldmeister? fragt sie, wenn’s der Waldmeister ist, so möcht’ ich ein paar Wort’ allein mit ihm reden. – Drauf gehen die Leut’ aus der Stube. – Ländhoferin, sag’ ich zu ihr, hast ein Anliegen? – Ich möcht’ weinen, giebt sie zur Antwort, möcht’ weinen und kann nicht. Ein Teufel ist in mir. Waldmeister, ich verspür’s, ’s ist mein End’, auf einmal jetzt mein End’. Mein Herrgott wird mich nicht verlassen. Ich will Alles sagen. Waldmeister, ich kann ja nicht’s dafür, daß ich den Burschen so lieb hab’ gehabt. Geeifert hab’ ich mit der Dirn’, und ich hab’ sie wollen aus dem Weg schaffen. Ich selber hab’ das Plättenseil abgeschnitten –“