Wieder ein Schrei des Schreckens und Constanze rief: „Nein, Vormund, das kann nicht sein, das hat sie im Fieber gesagt.“

„Du bist eine gute Seel’, Mädel,“ versetzte der Waldmeister, „und das hat sie in der letzten Stund’ noch eingesehen. Um Verzeihung bitten läßt sie Dich für Alles; sollst recht glücklich sein auf dieser Welt. Das ist ihr letztes Wort gewesen.“

Constanze schluchzte bitterlich. Alle waren ergriffen.

„So hat sie mir’s anvertraut,“ fuhr der Waldmeister fort, „wie sie Alles gemeint hat, das muß ich erst von Euch erfahren. – Nun, und die Leut’ sind an der Seim dahingeeilt, und um Mitternacht, da die Bäuerin verschieden war, bin auch ich auf mein Pferd gesprungen und dem unteren Viertel zugeritten, daß ich doch eine Spur von Euch könnt’ entdecken. ’s ist mir gut gerathen, Gott sei Lob, ’s ist mir gut gerathen.“

„O, arme Mutter,“ klagte Constanze, „sie ist gewiß eine brave Frau gewesen und hat’s nicht bös’ mit mir gemeint!“

„Den Todten nichts Uebles, aber die Wahrheit muß an’s Licht,“ sagte der Vormund. „Kind, die Bäuerin hätte Dich vielleicht lieb gehabt, wenn nicht Deines Vaters Testament vorhanden gewesen wäre. Sie hat es gewußt, daß Du mit dem Eintritte Deiner Großjährigkeit der Herr auf dem Ländhofe sein wirst.“

„Ich bitt’ Euch, laßt mir jetzt diese Dinge weg!“ rief das Mädchen, „es hat uns erst der Tod die Hand gegeben.“

„Wohl, wohl, aber jetzt kommt wieder das Leben d’ran,“ versetzte der Waldmeister, „ich bin der Vormund und mir ist darum zu thun, daß Du jetzt weißt, wie es steht und was Du zu thun hast. Von heut’ an werden alle Schriften über den Ländhof auf Deinen Namen lauten. Ich bin ein betagter Mann und hab’ auch auf mein Haus zu denken, aber ich werde Dir in der Wirthschaft helfen, bis Du einen anderen, jüngeren Vormund wirst gewählt haben.“

Felix nieste. „Helf’ Gott!“ sagte er für sich selber, „und wahr soll’s sein, was ich mir jetzt gedacht hab’!“