»Warte nur, mein Sohn. Wie du beschaffen bist, da werden sie dich ohnehin in ein entlegenes Walddorf stecken als Kaplan. Und wenn du gar Bergpfarrer in der Einöde sein wirst, da kannst du die Bücher, die du nicht magst, in den Ofen schmeißen und mit dem Herrgott persönlich verkehren. Verloren hast du den Glauben nicht. Sei nur wieder froh, wie du es als Kind bist gewesen.«
Der Junge schaute dem gütigen Vater treuherzig ins Gesicht und sagte: »Jetzt ist mir auch schon leichter.«
»Sei nur so gut und sage niemandem davon. Auch dem Friedl nicht, am wenigsten der Sali. So Sachen muß man mit sich selber ausmachen. Du bist nicht der einzige, dem es so ergeht. – Hörst du den Michel? Jetzt ist er schon oben bei seiner Hütten. Wie hell der kann jauchzen! Mein Sohn, das kommt auch von einem guten Glauben.«
Der Fremde aus dem Preußenland
Um die Feierabendzeit im Wirtshause »Zum schwarzen Michel«, als sie wieder einmal ein Weilchen gesungen hatten, tat der Förster Rufmann einen Trunk aus seinem Weinglase und fragte halblaut den Wirt, ob er das Lehrbuch des Studenten schon angesehen hätte? Der Michel holte das Buch aus dem Wandkästchen hervor, legte es dem Förster hin und sagte: »Du kannst es schon mitnehmen.«
»Was sagst du dazu?«
»Mein, was ist da viel zu sagen. Die jungen Leut müssen so viel wissen, daß ihnen zum Glauben nix mehr übrig bleibt.«
Der Förster dachte nach, neigte ein paarmal den Kopf und sagte: »Ist auch eine Antwort.« Wußte aber doch nicht viel damit anzufangen. Das viele Wissen, dachte er, wäre ja wohl nicht schlecht, wenn man nur auch das wüßte, ob alles wahr ist, was man wissen muß.
Die Sache war damit erledigt. Rufmann steckte das Buch, über welches er vom Freunde die Meinung hatte hören wollen, in seinen Sack. Der Michel klimperte auf der Zither. Da rief die Kellnerin Mariedl, die, wenn ihre Beine nicht laufen mußten, den krausigen Kopf gerne zum Fenster hinaussteckte: »Jess’, wer steigt denn lauter auf der Straßen daher?«
Einer der Holzknechte, die grobhemdärmlig am Nebentische saßen, guckte auch. »Oho! das ist ein Seltsamer! Muß ein Geistlinger sein.«