»Ein Geistlinger, du Lapp!« rief die Kellnerin lachend. »Und hat ein’ großmächtigen Schnurrbart.«

»So ist’s halt ein Husar.«

»Mit einem pechschwarzen Gewand?«

»Ist ja eh weiß bis zu den Knien hinauf.«

Das war richtig. Der Wanderer auf der Straße war fast bis zu den Knien des schwarzen Beinkleides mit Straßenstaub belegt. Hingegen stak im Knopfloch des schwarzen Rockes eine kleine Heckenrose. Eine stattliche und vollgepfropfte Seitentasche war halb verhüllt durch einen grauen Mantel, den der Reisende über der einen Achsel hängen hatte. Die offene Weste, die ebenfalls schwarz war und eine Uhrkette an sich hängen hatte, ließ das Wollenhemd sehen, das ohne Kragen und Krawatte nur mit einem Bändchen am Halse zusammengehalten zu werden schien. Der schwarze weiche Hut war über und über besteckt mit Feldblumen. Er saß so weit hinten am Nacken, daß man die braunen Haarlocken sah, die feucht und wirr über die Stirn herabhingen. Dieses Gemisch von Würde und Lässigkeit war auch in dem stark geröteten Gesichte mit den funkelnden Brillen und dem buschig über den Mund niederhängenden Schnurrbart. So kam er daher. Mit einem starken Knüppelstock setzte er weit aus, und mit großen Schritten eilte er, das Wirtshauszeichen an der Wand musternd, dem Tore zu.

Im Vorhaus erhob er seine laute, etwas schnarrende Stimme und fragte, ob hier Nachtquartier zu haben wäre.

»Herr Vater!« rief die Kellnerin den Wirt.

Dieser blieb an seinem Tische sitzen, Bauernwirte laufen ihren Gästen nicht entgegen, und gab durch die Tür hinaus Antwort: »Nachtquartier? Warum denn nit? – Mariedl, führ den Herrn ins Haarstübel hinauf!«

Die Kellnerin wollte dem Fremden Mantel und Tasche abnehmen, dieser sagte fast rauh: »Lassen’s Jungfer! Ich trage meine Sachen selbst.« Und wie merkwürdig er die Worte aussprach! Woher er denn sein muß mit seiner krummen Zunge!

Das »Haarstübel« war recht heimlich, es hatte mehrere Kästen, einen alten Schubladenschrank, dessen obere Lade als Tisch herzurichten war, und auf der Bettstatt einen Berg von Kissen, Decken, Tuchenten, den die Kellnerin Mariedl abzutragen begann, um aus diesen Dingen ein Bett zu bauen. Zwei Fenster mit roten Vorhängen gingen nach dem Garten hinaus. Der Fremde warf seine Sachen auf einen ledernen Lehnstuhl und öffnete sogleich die Fenster. Das tat er mit merklicher Lebhaftigkeit und brummte etwas von schlechter Luft.