Die Holzknechte am Nebentisch hatten es dem Fremden so oft und gründlich gezeigt, wie es hierzulande im Wirtshaus der Brauch ist, bis sie ihr überlautes Geschrei nur noch lallen konnten. An Pfeifen saugend, in denen nichts mehr brannte, grölten sie nach Bier und Wein. Als der Wirt ihnen dartat, daß nichts mehr eingeschenkt werde, schimpften sie noch eine Weile über einen solchen »Hadererwirt« und torkelten endlich davon.
Als der letzte die Zimmertür polternd hinter sich zugeschlagen hatte, sagte der fremde Gast mit dumpfer Ernsthaftigkeit: »Die sind vergiftet!«
»Was?« rief der Wirt, beinahe auffahrend. »Vergiftet? Wieso? Von wem?«
»Vom Bier.«
»Gehns weiter, besoffen sind sie.«
»Es ist eine Alkoholvergiftung, Herr Wirt. Nur schade, daß ich bei der löblichen kaiser-königlichen Staatsanwaltschaft nicht die Anzeige machen kann, daß im Wirtshaus »Zum schwarzen Michel« wieder einmal einige Personen vergiftet worden sind.«
Da der Michel jetzt erst die Schalkheit merkte, mit der die Anklage versetzt war, so sagte er lachend: »Nicht bald etwas wär mir lieber, als wenn die Polizei mir immer einmal die Stuben ausfegen wollt! ’s ist wirklich und wahrhaftig eine Schweinerei.«
Nun kam der Fremde in einen guten Redefluß, davon ausgehend, daß es sich nicht bloß um die Schweinerei handle, vielmehr um das Verderben des Volkes. Er sprach von naturgemäßer Lebensweise und kam auf den Alkohol, als den größten Feind des Menschengeschlechtes. Verarmung, Verkümmerung, Verblödung, Todschlag, Mord, unbeschreibliche andere Verbrechen und früher Tod in allen Arten.
»Soll denn das wirklich so arg sein?« sagte der Michelwirt.
»Über die Maßen ärger, als man’s sagen kann!« rief der Fremde mit Leidenschaft. »Cyankali, Arsenik, Strychnin und alle Gifte zusammen sind nicht so gefährlich als Alkohol. Weil die Bestie so falsch ist, weil sie anfangs so wohl bekommt, weil sie sich sogar für heilsam ausgibt, während sie den Organismus langsam aber sicher zerstört, bis das Opfer jäh zusammenbricht und hin ist.«