Der Wirt sagte nichts, schlug aber die Hand auf den Tisch. Auch er hatte ein Glas Wein vor sich stehen, wenn auch stark gewässerten. »Ganz trocken kann einer doch nit dasitzen bei den Gästen.« Aber jetzt hatte er keinen Durst.
Die Kellnerin kam, rieb sich mit der Schürze die Hände ab, was so ihre Gewohnheit war, wenn sie die Lumpentische abgeräumt hatte, und fragte den Gast: »Schaffens vielleicht zum Nachtmahl was Gebratenes?«
»Haben Sie Hafergrütze? Natürlich nein, das habe ich mir gedacht. Aber doch Weizenmehl und Öl? und ein paar Eier? Gut, so lassen Sie mir einen Pfannenkuchen machen.«
Da ging in der Küche wieder das Bedenken an. Pfannenkuchen mit Öl? Nun wem’s schmeckt! – Als nachher der Fremde in seiner Mehlspeise statt Tafelöl Leinöl hatte, wollte er aufbegehren, schwieg aber, dachte: Ländlich, sittlich! Leinöl ist vorzüglich – und aß mit Geduld den Pfannenkuchen.
Endlich begleitete der Wirt den Gast in die Schlafstube, brannte dort die Talgkerze an und schob Schreibzeug vor mit der Bitte, sich in den Fremdenzettel einzutragen. Während es der Gast tat, guckte der Michel ihm über die Achsel.
»Nathan Böhme aus Frankfurt.«
Als der Fremde in der Stube mit ihrem eigentümlichen Flachsgeruch allein war, ging er an die Tür, zog von außen den Schlüssel ab, steckte ihn von innen an und schloß ab. Dann untersuchte er Kästen und Wände, leuchtete mit der Kerze auch unters Bett. Dann stützte er die Ellbogen aufs Fensterbrett und schaute hinaus in die Nacht. Links von der Straße her der Schein einer Fackel und das Geräusch arbeitender Burschen, die Birken und Lärchen in die Erde steckten und einen Bau aufführten. Rechts über dem Dache eines Wirtschaftsgebäudes und über dem Heckengebüsche des Gartens her dunkle Bergkuppen, darüber der gestirnte Himmel, über welchen in langem Striche eine Sternschnuppe niederfuhr gegen das Gebirge.
Endlich schloß er das Fenster und ging ans Bett, wo er aufs Nachtkästchen die Uhr legte und unter das Kopfkissen ein Ledertäschchen barg.
An demselben Abend hat der Michel mit Frau Apollonia noch Mutmaßungen angestellt über den Nathan Böhme aus Frankfurt.
»Frankfurt soll es aber zwei geben, eines liegt in Preußen. Der Aussprache nach ist’s einer. So ein räsonnierender Besserwisser. Verdächtig ist mir der Name.«