Der Michelwirt hatte erwartet, daß Herr Nathan Böhme am nächsten Tage weiterreisen werde. Der Fremde bezahlte zu jeder Mahlzeit seine Milch, seinen Honig und Butter, seinen Roggenbrei, sein Gemüse, sagte aber nichts von einer Abreise. Nun, ist ja recht, läßt sich mit ihm gut plaudern, und von einem Allesbesserwisser kann man doch auch manchmal was lernen. Und fragte ihn der Wirt einmal, wie die Fronleichnamsprozession gefallen habe.

»Da möchte ich nur eins gerne wissen,« antwortete Böhme, »ich sah in der Nähe des Altars einen jungen Mann; wie ein Bauer sah er nicht aus, eher wie ein angehender Studio; ein schmächtiger, etwas blasser Knabe.«

»Ah, das wird der Student gewesen sein, ein Sohn des hiesigen Försters.«

»Sehr andächtig. Ganz rührend anzusehen.«

»Ist es schon, ist es schon, der Elias Rufmann, Seminarist, will in die Theologie.«

»In die Theologie will der? Ach, das ist schade!« sagte der Fremde.

»Ist etwas kränklich, dahero jetzt auf Urlaub.«

»Der Junge hat mich interessiert,« sagte Böhme. Mehr sprach er nicht davon. –

Tagelang blieb nun dieser Fremde im Wirtshause zu Eustachen. Tagsüber ging er in der Gegend umher, stieg auf Höhen, saß am Wasser, redete mit Leuten, sofern sie seine Art verstanden. Abends saß er in der Wirtsstube und hielt solchen, die zuhören wollten, förmliche Vorträge darüber, wie der Mensch leben müsse, um gesund zu bleiben, glückselig zu sein und alt zu werden.

»Wenn einer aber nit alt werden mag, wen geht denn das was an!« redete einmal ein Trinker entgegen. »Was habt ihr denn alleweil gegen den Wein? Der Wein macht lustig und kurz, meinetwegen. Ist’s nicht gescheiter als wie traurig und lang? Michel, was sagst denn du dazu?«