»So lang dableiben, bis er aufgeht,« riet der Michel.
»Nau,« lachte ein Bauer, »da kann der Herr alt werden, bis er um hundert Kronen Milch und Mehlnudeln wegbracht hat!«
»Einen Hunderter!« rief vom dunklen Uhrkastentisch eine dünne Stimme her, »vielleicht kann ich!« Ein hagerer, gebückter Mann kam herbei, mit ungeübten Fingern kletzelte er die Banknote vom Tisch auf, hielt sie gegen die niederhängende Öllampe, um zu prüfen, ob sie auch echt sei.
»Ja freilich, du!« spottete der Michel, »du wirst da wechseln können, Krauthas!«
»Kann auch nit, kann auch wirklich nit!« pipste dieser und grub in seinen Säcken herum. »Weil ich die Teuxelsbrieftaschen han liegen lassen daheim.«
Jetzt lachten die Leut’.
Doch fiel einigen sein besserer Anzug auf, den er jetzt trug. Halb herrisch, halb bettlerisch.
Der Wirt fragte: »Wo bist denn jetzt daheim, Krauthas, wo kommst denn her? Stromerst alleweil so herum. Ins Haus bist ganz heimlich herein.«
»Mit Musik hab ich mich mein Lebtag nit ins Wirtshaus bleiten lassen,« antwortete der einstige Kohlenbrenner. »Nicht einmal zur Zeit, als es mir schlecht ist gangen. Und wenn’s einem gut geht, muß man erst recht bescheiden sein.« Damit zog er sich wieder in seinen Winkel zurück, wo er Schnaps trank und Rauchfleisch aß.
Aber er nagte die Knochen nicht mit fletschenden Lippen bauernmäßig ab: mit einem zierlichen Taschenmesser löste er ganz geschickt das Fleisch los und brachte es säuberlich in den Mund.