»Du kennst ihn also.«

»Den kenne ich freilich.«

»Was hältst du von ihm?«

Der Junge gestand es und erzählte. Er sei ein gebildeter, sicherlich viel gereister Herr. Aber irrgläubig!

»Wenn den jemand bekehren könnte!«

»Den Mann bekehren?« fragte der Pfarrer, der gar klug war, seinen jungen Theologen in- wie auswendig kannte und ihn nun doch wieder einmal loten wollte. »O mein, wenn es ein gebildeter, viel gereister Herr ist, so wird er sich ja umgesehen und sich das ausgesucht haben, was für ihn am besten paßt. Obschon ich diesen Nathan nicht für Nathan den Weisen halte. Was sagt er denn?«

»Zum Beispiel gegen die Mutter Gottes hat er’s und ein Lutherischer ist er.«

»Nun, wenn er meint, unsere Mutter Gottes entbehren zu können, und wenn er an die heiligen Sakramente nicht glauben kann, so werden sie ihm auch nichts helfen. Denkst du nicht, Elias, daß solche Leute trotzdem gute Menschen sein können und auch ihre religiösen Schätze haben, die wieder wir nicht kennen und nicht verstehen? Wir können für die Irr- und Ungläubigen nur beten und sollen sie in Ruh’ lassen, solange sie uns in Ruh’ lassen. Und wenn sie uns angreifen, so sollen wir nicht gleich zurückschlagen, sondern uns gutmütig verteidigen und durch ein vorbildliches Leben ihnen zu verstehen geben, daß wohl wir den richtigen Glauben haben. Denkst du nicht auch so, Elias?«

Auf dieses Priesterwort jubelte des Knaben kindliche Seele und es war ihm gewiß: wer so kann sprechen, der hat den wahren Glauben. Und der unduldsame Fremde soll mir nimmer gefährlich werden.

»Nur das eine, Elias, laß dir gesagt sein,« setzte der Pfarrer noch bei, »lasse dich mit solchen Leuten nie in ein Gespräch ein über Kirche und Religion. Sie sind schwer zu widerlegen. Die weltliche Vernunft ist brutal. Fliehe die Gefahr und lasse jene ihre Wege gehen.«