»Ich habe es ja getan, Herr Pfarrer, aber er geht mir nach!«

»Ich sage dir noch einmal, schweige mit der Zunge, antworte mit den Beinen und fliehe.«

Elias nahm es sich vor. Doch als er wieder allein war, fiel ihm ein: wie kann das ein Mensch? Wenn er seinen Menschenbruder auf dem Irrwege sieht und er weist ihn nicht auf den richtigen Weg? Das ist ja lieblos, das ist ja schlecht!

Und an demselben Abende las er lange in einem seiner Religionsbücher. Er las von den Aposteln, die in die weite Welt zogen, um Juden und Heiden zu bekehren; von den Märtyrern, die den Weisen und den Königen trotzten, um den Gekreuzigten zu verkündigen. Er las von den heldenhaften Missionären, die heute noch in ferne Länder ziehen, um fremden Völkern das Christentum zu bringen. Er las von der Inquisition, durch welche die Kirche arme Verirrte mit liebender Gewalt auf den rechten Weg geführt und den Teufel mit Feuer und Schwert aus der Menschenseele vertrieben hat. – Und da sagt der Pfarrer, man solle sie in Ruh’ lassen! Lassen die Ketzer uns in Ruh? Geht dieser Mensch nicht herum wie ein brüllender Löwe, zu sehen, wen er verschlinge? – Endlich entschied Elias dahin: Die eigene Seele steht einem näher als die fremde. Dem Preußen ausweichen so weit als möglich. Wenn er aber wieder zudringlich werden sollte, dann laufen; und wenn er nachläuft, dann sich wehren, und sollt’s ums Leben gehen!

Kaum war dieser Zwiespalt ein wenig verbraust, so gab’s für Elias schon einen andern. Am nächsten Tage, als der Friedl vom Holzschlag heimgekehrt war, ward dieser zutunlich mit dem Bruder, nahm ihn Arm in Arm, zerrte ihn zum Waldrain hinauf und ging ihn um Geld an. Nicht mit schalkhaften Worten wie sonst, sondern kurz und herb.

»Elias, ich muß zwanzig Kronen Geld haben!«

Hierauf antwortete der Student in aller Ruhe: »Du weißt es, Friedl, daß ich dich gern habe, und ich nehme mir vor, alles zu tun, was dir gut ist. Ich sage dir aber, du kannst machen, was du willst, Geld gebe ich dir keines mehr, auch wenn ich eins hätte.«

Er hatte auf diesen Bescheid ein derbes Wort erwartet, aber der Friedl schritt, seine Hände in den Hosentaschen, am Waldrande dahin und schwieg.

Das war dem Elias doch wieder ungut und er fragte:

»Wozu brauchst denn so viel Geld?«