»Was werd ich sehen?«

»Daß ihr mich bald gar nit mehr seht. Oder willst mit? Da draußen im Hessenland oder wo wandern jetzt immer Leut aus nach Afrika.«

»Zu den Mohren? Da muß man ja früher angeschwärzt werden.«

»Das ist das wenigste, mein Lieber!« Dann zuckte das Gespräch ab.

Die Anschuldigung des Gerhalt war noch nicht vergessen. Der Friedl hatte den Wegmacher Kruspel bemerkt, der mit anderen bereits daran war, Gefällholz zu bearbeiten.

Der Förster führte sie im Walde, der hier oben flacher wurde, herum und wies ihnen gefallene Bäume, niedergebrochene Äste und halbabgestorbene Stämme, an die sie sich mit Äxten, Sägen und Stricken machten, um sie klein zu kriegen und an Ort und Stelle zu bringen. Eine auf vorspringender Felswand in die Lüfte hinausgelagerte Felszinne, genannt der Ringstein, war die Stätte, wo seit alten Zeiten am 24. Juni das Sonnwendfeuer angezündet wurde. Aber nur von drei zu drei Jahren. So oft unten im Dorfe das Fronleichnamsfest abgehalten wurde, so oft loderte ein paar Wochen später auf dem Ringstein das Feuer der alten Germanen. Und je glanzvoller die Prozession ausfiel, um so größer war der Holzstoß auf dem Berge. Es war ein alter Tort darin, doch die harmlosen Leute von Eustachen dachten nicht daran, sie übten nur den Brauch, und viele mochten meinen, das Sonnwendfeuer sei so eine Art Nachfeier zum kirchlichen Fronleichnam.

Der Förster hatte angeordnet, daß der Holzstoß möglichst an die Felszinne hinausgerückt werde, da könne das Feuer den nahen Wald nicht gefährden, werde hingegen gesehen in der ganzen weiten Talgegend von Sandwiesen bis Löwenburg.

Wie sie hingestreut liegen da unten an den Ufern der Tauernach und der Mur, die schimmernden Gruppen der Ortschaften! Dort hinten oben, wo das Gebirge mit seinem Halbkreise gleichsam die Talfläche abschneidet, kommen aus den Schluchten Wässer zusammen zu dem großen Fluß, der sich so schlängelt, daß man hie und da ein Spiegelchen von ihm sieht. Tief unten, fast am Fuße des Berges, das freundlich zwischen Wiesen, Feldern, Matten und Schachen ruhende Eustachen. Eine halbe Stunde abseits Ruppersbach mit seinem hohen Kirchturm und ganz unten in blauer Ferne ragt wie ein gläsernes Zacklein das alte Schloß Löwenburg über der Stadt auf.

Der Förster blickte in die Gegend hinaus und mochte denken, wie der Mensch doch nicht immer bloß am Nützlichen hängen, sondern öfter die schöne Welt anschauen sollte. Und dieweilen schleiften die Burschen mit lustigem Geschrei aus dem Walde Holz herfür und bauten den Brandtempel.

Aber dort stand eine kleine Gruppe von Männern beisammen. Sie hörten dem Schnapperjosel zu, der schon Jungvieh auf seine Alm getrieben hatte, gerade vom Gebirge zurückkam und zu erzählen wußte, daß unweit des Rauhruckkares ein Toter gefunden worden sei mit Stichwunden am Hals. Er habe ihn nicht gesehen, wisse weiter nichts, als was die Holzknechte erzählt hätten. Die Gruppe um den Schnapperjosel vergrößerte sich rasch. Ein Mord! Ermordet soll einer worden sein! Im Gebirge? Das war was Seltsames.