Der Friedl schaute auf.
»Sag’s noch einmal, Friedl, wie weit seid ihr mit ihm gegangen?«
»Na halt bis –, mein Bruder wird’s eh auch wissen.«
»Von dir will ich’s hören!«
Der Bursche zuckte die Achseln: »Was just von mir?«
Er hielt den starren Blick des Vaters nicht aus, wurde totenblaß, da wurde es auch der Förster Rufmann. Er setzte sich taumelnd an den Rand des Brunnentroges.
Vor Gericht
Die Gassen des Dorfes waren belebt, als ob wieder Fronleichnamstag wäre.
Aber nicht so fröhlich und nicht so klingend. Vielmehr die Leute befangen, hastend, schleichend, munkelnd und flüsternd. Man hörte nichts als ein unzusammenhängendes Zischeln, man sah heftiges Kopfschütteln, man sah Arme sich erheben und die Hände ringen. Nur halb raunte man sich die unerhörte Neuigkeit zu, die andere Hälfte wurde schweigend gesagt mit Mienenspiel. Dann wieder erging man sich in bildlichen Andeutungen. Mancher stöhnte, jammerte, es sei unmöglich, es sei nicht zu glauben, und jeder glaubte es. »Ich glaub’s nit! Ich glaub’s nit!« riefen sie und glaubten alles. Dann kam wieder einmal eine Welle heran: Es ist ja alles nicht wahr, einen alten Rock hat man gefunden auf dem Rauhruck und haben sie gleich einen Ermordeten daraus gemacht. Der Preuß soll ja in Arlach sitzen und von dort aus dem Michelwirt einen Brief geschrieben haben.
»Na, nachher möcht’s doch vielleicht nit wahr sein!« sagte dieser und jener und verzog sein Gesicht zu einem frohen Lächeln, das aber mißmutig ausfiel. Bis die nächste Welle kam: »’s ist heilig nit anders. Der Herr Böhme ist erstochen worden. Sein Leichnam liegt in der Teschenschlagerhütten, und die Försterbuben …!«