»Den möchte ich mir halt für eine Besondere aufsparen, wenn er einmal so weit sein wird, daß er heiraten kann. Für den wüßt ich eine! Aber bei den jungen Trotzköpfen muß man sich hüten, die rechte zu nennen. Sonst schauen sie justament die nicht an.«

»Geh, was du nit glaubst!«

»Wie es beim Staufer in der Sandau ist gewesen. Der hat auch so einen Trutzbock gehabt. Er hätt’s gern gesehen, daß der Sohn die Lehnerische nimmt. Und just die will der Bub nicht. Sagt der Alte: Recht hast, die wär auch meine letzte, und hebt an zu schimpfen über die Lehnerische. Da ist’s dem Burschen: Und grad die nehm ich. Hat sich der Staufer ins Fäustel gelacht. Auch der meinige könnt einer sein von dieser Gattung.«

»Rufmann, du kannst dir alle zehn Finger abschlecken dafür, daß du ein paar solche Burschen hast. Nit allemal g’rat’s so gut, wenn die Mutter fehlt.«

Da leuchtete des Försters Gesicht. Es war ein schönes braunes Antlitz mit tiefliegenden Augen und einem halb kurzgeschnittenen, stark angegrauten Bart. Die gerade und feingebaute Nase war an der Spitze kaum merklich gerötet, hingegen schimmerten unter dem Schnurrbart die frischen Zähne des Oberkiefers ein wenig hervor. Wenn in ihm was vorging, bewegten sich die sehr buschigen Augenbrauen auf und nieder. So auch jetzt, da der Freund so gut von seinen Buben sprach. Es besteht der Verdacht, daß er seine Söhne eigens manchmal in den Anklagestand versetzte, um vom Freunde ihre Verteidigung und Rechtfertigung zu hören. Diese Kinder sind ja sein ganzes –. Nein, er getraut es nicht auszusprechen, das stolze Wort. Alle Liebe ist abergläubisch. So wollte er schon eher von den Sorgen sprechen, die sie ihm machen, da wird der Teufel, oder wer es ist, doch nicht zum Neide gereizt werden.

»Mit dem jüngeren,« sagte nun der Förster, »dem Elias, habe ich jetzt ohnehin auch mein Anliegen.«

»Der kommt zu Ostern wohl wieder auf Vakanzen heim?« riet der Wirt.

»Vielleicht schon früher. Gestern habe ich einen Brief erhalten aus dem Seminarium. Der Präfekt schreibt, daß der Bub kränklich ist, und es dürfte angezeigt sein, wenn er bald auf etliche Wochen in die Gebirgsluft käme.«

»Na ja, weil alle bleichsüchtig werden in derer dummen Stadt da drinnen!« rief der Michel. »Bissel blutarm ist der Elias immer gewest. An deiner Stell heut noch tät ich telegraphieren, sie sollten ihn gleich herschicken.«

»Ist halt bitter, wenn er etwa das halbe Jahr verlieren muß.«