Das Forsthaus lag da an der rauschenden Ach wie ausgestorben. Waren doch alle fort, die Richter und die Sünder, die Lebenden und die Toten. Einer, der noch dalag in seiner Stube, war nicht lebend und nicht tot.
Schluchzend, mit vor Weinen verschwollenen Augen wies die alte Sali den Wirt in die Stube. Im Bette lag der Förster. Er war es doch? So grau das dünne Haar, so wüst der Bart, so fahl und verfallen das Gesicht. Die Augen halb zugesunken, er schlummerte wohl. Die eine Hand im weißen Hemdärmel lag außen über der Decke.
Der Michel stand vor dem Bette, lautlos und lange.
»Mein heiliger Gott,« flüsterte die Haushälterin, »eine Nacht wie die heutige möcht ich nimmer derleben. Und hat – hat sich wollen …« Das erstickte im Schluchzen. »Seit morgens liegt er so dahin.«
Was sonst geschehen, das berührte sie mit keinem Worte. Dann ging sie hinaus.
Der Michel stand da und blickte auf den Schlummernden, wie man auf eine Leiche blickt. Vielleicht weiß er von nichts, vielleicht hat ihm Gott in seinem Haupte die Welt schon ausgelöscht … So dachte der Wirt.
Da bewegte der Förster ein wenig die Hand, ohne die Augen aufzutun, sagte er mit fremder Stimme: »Ja, mein Freund!« Dann war es, als schlummere er wieder.
Der Michel berührte leicht seine Hand, sie war kühl. »Paul!« sagte er.
Nach einer Weile murmelte Rufmann, immer mit geschlossenen Augen: »Hast du sie noch einmal gesehen? Sie sind schon fortgebracht worden.« Fast ruhig sagte er es.
Der Michel rückte einen Stuhl und setzte sich ans Bett und faßte die Hand des Freundes und hielt sie fest. Und arbeitete mit sich, um die grabende Gewalt seines Innern niederzuhalten.