Sie rangen miteinander, der Förster ward entwaffnet und das Gewehr zur Tür hinausgeworfen.

Dann setzte er sich an die Wandbank, atmete heftig und blickte unstet um sich. Als er ruhiger geworden war, reichte er dem Freunde die Hand: »Ich danke dir. Will’s versuchen, ob es so geht. ’s hat manch andern auch schreckbar Unglück getroffen – und ist stehengeblieben. – Gott – nein!« schrie er wieder auf, »mein lieber Mensch, ich danke dir für alles, aber ich kann’s nicht! Ich kann’s nicht! Seine Kinder so zu verlieren!«

Er brach nieder, daß der Kopf an den Tisch schlug, und stöhnte.

Weil er nur weint, dachte der Michel. Aber der Förster zuckte auf. In seinem Gesicht lag eine starre Entschlossenheit. Und sah der Wirt, daß in dem unglücklichen Manne nicht ein Funke Hoffnung war, so wenig als in ihm selbst, trotz alles trostreichen Redens vorher. »Viere kunnt man hängen mit diesen Beweisen,« sagen sie in Eustachen. Alles, was da gesagt werden konnte – nichts als öder Betrug. Betrug seiner selbst und des andern. Betrug, Betrug, wie das ganze Menschenleben …

Er sann auf irgendwelche Zerstreuung. Wein? Das ist nichts. Laute? Das ist auch nichts. Am besten, glaubte er, mache es die Sali, als sie mit einer Schale heißen Kaffees kam. Aber der heiße Kaffee blieb stehen auf dem Tisch, so lange bis er kalt war, dann trug ihn die Sali wieder hinaus.

Der Michel hatte ein alltägliches Gespräch begonnen.

Rufmann lehnte in der Wandbank und ließ den Freund reden, was er redete. Eine Weile lang. Er war jetzt in einer Art Betäubung. Aber nun hob er die Hand, als ob in der Luft etwas zu fassen wäre. Und plötzlich rief er aus: »Michelwirt!« Und noch einmal rief er: »Michelwirt! Wecke mich auf! Ich habe einen unerträglichen Traum und kann nicht wach werden. Meine Buben! Die hätten einen Reisenden umgebracht! Rüttle mich fest, gib mir eines auf den Schädel mit dem Gewehrkolben. ’s ist ja ganz dumm, daß ich es nicht aus dem Kopf bringen kann!«

»Was?« fiel der Michel lebhaft ein, »Rufmann, dir geht’s auch so? Das ist doch merkwürdig. Schon in früherer Zeit hat’s mich immer einmal gepackt, aber nie lang angehalten. Jetzt kommt’s öfter und bleibt länger. Und kommt’s mir zu Sinn, als ob alles miteinand nix tät sein! Sag, Paul, geht’s dir nit auch manchmal so für? Die ganze Welt und die Lebenszeit und der Mensch – alles nix. ’s kommt einem nur so für, als ob was wär, wie’s im Traum fürgeht. Man sieht’s und hört’s und greift’s und erlebt’s und ist nix wie ein Traum.«

»Aufwecken! Aufwecken!« rief der Förster in klagendem Tone.

»Wenn’s aber kein Aufwecken gibt, mein Paul. Erwachst am Morgen aus dem einen Traum und verfällst in den andern.«