Der Michel erschrickt heftig. »Rufmann!« sagt er, fast stockt der Atem. Er eilt an das Haus, er eilt zur Baumgruppe. »Rufmann!« Kein Mensch da. – Das Wasser rauscht wie immer und immer. Der Michel eilt wegshin gegen die Brücke. »Rufmann,« schreit er schrill. Im Schimmer der Sternennacht glaubt er dort mitten auf der Brücke am Geländer eine dunkle Gestalt zu sehen. Er läuft hin, auf Zehenspitzen läuft er. Da schwingt die Gestalt sich aufs Geländer und – war nimmermehr zu sehen.

Im nächtigen Dunkel branden die Wogen und rauschen und rauschen. Kein Haupt taucht auf, kein Arm, in den Alpenfluten begraben, ausgelöscht ist ein wüster Traum.

Meine Schuld

Der Holzstoß war endlich in seinen Gluten zusammengestürzt und hatte noch in diesem Sturze einen feurigen Regen in den nächtlichen Himmel emporgesandt.

Die Feuerlohe und freilich noch mehr der Trank, der in Buschschenken aus mehreren Fässern strömte, hatte die Leute berauscht. All böse Art, Hoffart und Falschheit, Feigheit und wilde Lust war, wie der Feuerspruch dargetan, verbrannt worden. Doch diese Brut erhob immer aufs neue ihre zischenden Häupter aus der Glut. Jene Musikanten, die am Fronleichnamstag dem Sakrament gehuldigt, bliesen jetzt auf ihrem schrillenden Bleche Kampf- und Lustweisen. Was Range war, das raufte und bockte grölend in den nahen Büschen herum, was Mann und Weib war, das tanzte um die große Glutstätte. Etliche wollten versuchen, durch das Feuer zu springen nach alter Sitte. Dazu war der Pfuhl noch zu üppig. Derbe Burschen stießen mit langen Stangen in den glosenden Holzbränden herum, und erst, als die tote Asche dalag, machte sich mancher Recke erbötig, »durch das Feuer« zu gehen.

Aber noch war das Sonnwendfeuer nicht verloht und verglost auf dem Ringstein, als die Botschaft laut wurde, der Förster Rufmann habe sich das Leben genommen. In die Ach wäre er gesprungen und die Leute möchten schnell hinabkommen, um den Leichnam zu bergen.

Das war wie eine Erweckung.

Trotz Mitternacht dachte niemand an Heimkehr. Aus harzigem Kien waren Holzbüschel bereit, mit denen sie den Abstieg hatten beleuchten und unter Fackelschein in die Dörfer marschieren wollen. Solche zündeten sie jetzt an und die roten Lichter strichen zuckend durch das Gestämme dahin. Männer hatten die Stangen erfaßt, mit denen das Feuer geschürt worden war, und eilten talwärts. Etliche hatten am Ende der Stange Nägelhaken festgemacht. So wenig sie des Lebenden gedacht, den Leblosen wollten sie nicht preisgeben.

Sie kamen in das Hochtal und zogen mit den Fackeln am Rande der Ach auf und nieder die halbe Nacht.

An dem neuen Sägewerk, wo schon ein Stück Wehr in das Wasser hineingebaut war, hatten sie den Michelwirt getroffen. Er stand auf dem Geschütte und schaute in den Fluß, ging etliche Schritte weiter und stand still und schaute ins brausende Wasser.